﻿3(54	Ueber das sogenannte Problem des Aufrechtsehens.
Taf. 19. Fig. 2 , während der gesehene Zerstreuungskreis von der diainetralentgegengesetzteu Seite'her sich verdunkelt.
Befindet sich das Löchelchenjenseits des Accommodatiouspuuktes, so fällt abermals ein Zerstreuungskreis auf die Netzhaut, in diesem Falle jedoch nicht weil die Lichtstrahlen hinter, sondern vor der Retina im Punkte 0 Taf. 19. Fig. 3 ihre Vereinigung finden. Schiebt man jetzt das zweite Kartenblatt wieder gegen'die Pupille vor, so wird der Zerstreuungskreis auf der. Retina, wie Fig. 3 lehrt, von der entgegengesetzten Seite verdunkelt werden, während man nichts destoweniger den Zerstreuungskreis im Sehfelde sich von derselben Seite lier verdunkeln sieht, von welcher das zweite Kartenblatt gegen die Mitte der Pupille vorgeschoben wird.
Es unterliegt somit nicht dem leisesten Zweifel, dass von den beiden oben aufgestellten Möglichkeiten die erste wirklich rea-lisirt ist. Abgesehen von dieser experimentellen Beantwortung der Frage, kann man auch durch eine sehr einfache Ueberlegung. a priori zu der festen l eberzeugung gelangen, dass bei der bestehenden Organisation unseres Auges und bei der beabsichtigten Harmonie der Localisation durch das Sehen mit der d u r c h Muskel- u n d T a s t s i n n die Herstellung der eben erörterten Beziehungen eben so noth wendig gewesen sei, als die umgekehrte Lage des Netzhautbildes.
Was den letzten Punkt betrifft, so hat bereits Lorzn a. a. 0. S. 36S schlagend nachgewiesen. dass gewisse sinnlose Widersprüche und optische Zweckwidrigkeiten für unser Auge. in welchem sich die Bilder auf dem concaven Hintergründe projiciren und dessen Drehpunkt vor dem Bilde, zwischen ihm und dem Objecte liegt, nur durch ein umgekehrtes Netzhautbild zu vermeiden waren.
Was nun aber den ersten Punkt angeht, so hat Lotze’s Darstellung eine Lücke, welche ich eben auszufüllen suche.
Setzen wir den Fall, dass die umgekehrten Bilder in derselben Lage, welche sie auf der Netzhaut einnehmen, auch im Raume wahrgenommen oder localisirt würden: so ergäben sich trotz des umgekehrten Netzhautbildes, sogleich wieder »sinnlose Widersprüche«. Denn dann würde nicht nur die Augenaxe sieh heben müssen, um das Bild eines von uns unten gesehenen Objectpunktes auf die Stelle des deutlichsten Sehens zu rücken, sondern auch die tastende Hand müsste eine Bewegung ausführen, die nach oben gerichtet wäre, um von dem Orte des Auges ausgehend denselben unten gesehenen Punkt zu erreichen. Aelmliehe Disharmonien würden dann auch hinsichtlich des Rechts und des Links unvermeidlich sein.