﻿360	Ueber das sogenannte Problem des Aufrechtsehens,,
so klaren und scharfsinnigen, als erschöpfenden und gründlichen Auseinandersetzungen Volkmaxn’s und Lotze’s die Leser doch nicht ganz befriedigt haben und nicht befriedigen konnten, da es sich hier um ein allerdings nur halbverstandenes und unexact ausge-drücktes, aber vollkommen berechtigtes Moment handelt, das sieli nicht bei Seite schieben, sondern nur durch ausdrückliche Anerkennung erledigen lasst.
Diese dunkle Lücke in den von Yolkmaxn und Lotzk versuchten Lösungen des Problems will ich nun in den folgenden Zeilen ausfüllen, indem ich mich bemühen werde jenes Vorurtheil sammt seinen Conse-quenzen zu erklären und zu erledigen, d. h. aufzudecken, welches berechtigte Moment ihm versteckt zu Grunde liegt, zu zeigen wie es entsteht und endlich den Th eil Wahrheit, den es enthält, in den Erk 1 ürungsversuchen für immer zur Geltung zu bringen. —
Nach einem hinreichend allgemeinen von allen Physiologen »aller Farben« zugegebenen Ausgangspunkt mich umsehend, fällt mir die folgende »Stelle der vortrefflichen Med. Psychologie von Lotzk S. 362) in die Augen: »Man könnte behaupten, jede Netzhautfaser übe vermöge der Lage 1 ihrer centralen Endigungsstelle im Gehirn einen ihr ganz allein eigenthümlichen Einfluss auf die Seele aus, und erzwinge demgemäss auch die bestimmte Localisirung ihrer Empfindung«.
An diesen Satz. gegen den hoffentlich Niemand etwas einzuwenden haben wird. will ich meine weiteren Bemerkungen anknüpfen und sogleich hervorheben, dass er mit gleicher Berechtigung und Sicherheit hinsichtlich der Nerven des Tastorgans und der durch diese vermittelten Empfindungen gilt.
Auch die centralen Endigungsstellen der Ta st nerven müssen im Gehirn solche Lagen haben, dass sie vermöge derselben einen jeder von ihnen eigenthümlichen Einfluss auf die Seele ausüben und demgemäss auch die bestimmte Localisirung ihrer Empfindung erzwingen können.
Da nun aber durch einen bekannten sein- einfachen Versuch2)
1 Es ist kaum noting, um Missverständnisse zu verhüten, daran zu erinnern, dass hier unter “Lage« ganz allgemein irgendwelche bestimmte organisch begründete Beziehungen und nicht etwa ausschliesslich nur einfach topologische positorische Beziehungen zu verstehen seien !
- Der Versuch, auf welchen ich mich hier beziehe, ist neuerlich ineinemdick-leibigen Werke von Serres d UzÈs Sur les phosphènes. Paris 1853) mit grosser Weitschweifigkeit behandelt worden und besteht wesentlich darin, dass man mit einem festen Körper, einer stumpfen Bleistiftspitze z. B. durch die geschlossenen