﻿Ueber das sogenannte Problem des Aufrechtsehens.
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erwiesen werden kann, dass ein diametraler Gegensatz zwischen der Localisirung der durch die Retina und der durch das Tastorgan vermittelten Empfindungen existirt : so ergibt sich mit Nothwendigkeit die allgemeine F o r d e r u n g. dass a u c h die » L a g e « d e r centralen Endigungsstellen der Seh- und der Tastnervenfasern eine in dieser Beziehung entgegengesetzte sein müsse.
Diese allgemeine und unbestreitbare Forderung ist es. welche nach meiner Meinung jenes vollkommen berechtigte, von Lotze und Volkmann nicht hinreichend gewürdigte Moment darstellt, welches in dem oben gerügten Vorurtheil enthalten ist.
Vie nun diese Forderung in dem immer wiederkehrenden Gedanken an die Nothwendigkeit einer Umkehrung des Netzhautbildes ihren unexacten Ausdruck finden konnte. leuchtet sofort ein. wenn man bedenkt, dass wir gewohnt sind von den Wahrnehmungen des 'fast- und Muskelgefühls anzunehmen, dass sie uns bei natürlicher Stellung der peripherischen Eindrücke, auch eine vollkommen richtige und entsprechende Auskunft über die wirklichen Lagenverhältnisse der Dinge geben. Denn es muss uns, da wir das Gleiche von den Wahrnehmungen des Gesichtssinnes stillschweigend voraussetzen, zugleich aber mit Sicherheit wissen. dass die Netzhautbilder eine umgekehrte Lage haben, natürlicherweise die umgekehrte Lage der Netzhautbilder in dieser Beziehung, als ein Hinderniss für das Aufrechtsehen erscheinen und zu dem Gedanken verleiten, dass in dem Bewusstsein eine »unmittelbare Nöthigung« liege, welche die Umkehrung der umgekehrten Netzhautbilder vollbringt.
Hiermit dürfte die Entstehung des gerügten Vorurtheiles hinreichend erklärt sein und — um die Aufgabe, welche ich mir gestellt habe, vollständig zu lösen — bleibt nur noch übrig der von mir for-mulirten und oben ausgesprochenen allgemeinen und berechtigten
Lider hindurch einen massigen und umschriebenen Druck auf das Auge ausiibt, welcher sowohl die Lider als die Retina an gleicher Stelle trifft und demgemäss auch gleichzeitig zwei Empfindungen, eine Tastempfindung Druckbildj und eine Lichtempfindung (Phosphen) erregt, welche eine Vergleichung ihrer gegenseitigen Position gestatten. Vergleicht man nun wirklich die Localisirung dieser Empfindungen, so überzeugt man sich leicht, dass beiderlei Bilder auf entgegengesetzten Seiten der Seliaxe liegen. Drückt man nämlich mit dem Bleistift im Dunkeln, das geschlossene Auge von oben , so fühlt man den Druck oben, während das Lichtbild unten erscheint, drückt man hingegen den unteren Theil der Lider und der Netzhaut, so fühlt man den Druck unten, das Lichtbild erscheint oben u. s. w.