﻿Weitere Beiträge zur Physiologie des Tastsinnes.
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für ungleich zeitige Erregungen die Möglichkeit differenter R a u m-emptindung birgt.
Aus dieser Tluitsache ergibt sieh, nach den vorausgeschickten Begriffsbestimmungen, zunächst der Schluss, dass die wahren Empfin-dungskreise einen kleineren Durchmesser haben müssen, als jene Bezirke, innerhalb welcher zwei gleichzeitige Eindrücke nicht mehr räumlich unterschieden werden, und dann die doppelte Aufgabe : 1. den Grund der verschiedenen Feinheit des Wahrnehmungsvermögens für Kaumbeziehungen gleichzeitiger und ungleichzeitiger Erregungen zu ermitteln, und 2. eine Methode aufzufinden, welche die Durchmesser der Empfindungskreise, wo möglich, direct und genau misst.
Ad 1. Vor Allem haben wir uns zu erinnern, dass die Erregung der zu einem Empfindungskreise gehörigen sensiblen Punkte die Möglichkeit aller und jeder differenten K a u m empfindung ausschliesst, dass somit Empfindungen nicht eher irgend welche räumliche Beziehungen zu einander erhalten können, als bis nicht der Abstand der erregten Punkte wenigstens etwas grösser ist, als der Durchmesser eines Empfindungskreises.
Um einfach die Lage zweier auf einander folgender, zeitlich auseinander gehaltener Eindrücke zu bcurtheilen, wird es daher — für den ersten Moment der späteren Berührung — im Allgemeinen genügen, dass der Abstand der erregten sensiblen Punkte den Durchmesser eines Empfindungskreises übersteigt Taf. 19, Fig. 4«, // , während zwei gleichzeitige Erregungen bei demselbenAbst a n d e in eine vielleicht etwas längliche, aber jedenfalls) räumlich untrennbare Empfindung unaufhaltsam zusammenfüessen müssen; da eine deutliche, totale, räumliche Unterscheidung und Trennung des gleichen oder verschiedenen qualitativen Inhalts gleichzeitig- erregter Empfindungen offenbar nur möglich ist, wenn wir eine Vorstellung von dem dieselben trennenden Zwischenraum bekommen.
Diese Vorstellung beginnt, nach meiner Lehre von der Interferenz der Empfindungskreise, zu entstehen, nachdem einmal der Abstand der gleichzeitig erregteiffsensiblen Punkte so gross geworden ist, dass sich keine der betreffenden Empfindungskreise mehr interfe-r i r e n 1 Fig. 4 a, c), kann aber erst dann vollkommen deutlich werden, wenn der fragliche Zwischenraum durch ein ganzes Kaumelement höherer Ordnung repräsentirt wird. d. h. wenn zwischen die
1 Yergl. oben S. 373 Anmerkung und Thesis Xr. S.