﻿Zur Orientiruug im Gesammtgebiete der Zoologie.
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Jedes organische, daher auch jedes thierische Wesen, kann man zunächst unter zwei verschiedenen Gesichtspunkten betrachten : » einmal im Zustande der organischen Ruhe, das andere Mal im Zustande der Thätigkeit — als fähig zu leben und als wirklich lebend«.
Diesen beiden Gesichtspunkten entspricht die alte Blaixville’-sclie Eintheilung der Biologie in die statische und die dynamische.
Uns spaltet sich hiernach das zoologische Wissen :
I.	in die Lehre von der Zusammensetzung der thierischen Organismen, d. h. in die Lehre von den Formen und den Stoffen derselben ; und
II.	in die Lehre von den Leistungen und Lebenserscheinungen der thierischen Organismen.
Ad I. Die erstere zerfällt wieder, wie bereits angedeutet, in die Formenlehre und in die Stofflehre.
Die Formenlehre oder Morphologie*) erhält ihr Material durch die Zoographie, welche die äussere Beschreibung der Thiere oder die Zoographie im engern Sinne und die Zootomie d. h. die Histio-grapliie, Organographie und Zoomorphose umfasst, und »hat dieses Material in einer seiner Bedeutung entsprechenden Form zu ordnen und die Gesetze der thierischen Gestaltung festzustellen«.
Die Stofflehre betrachtet die Stoffe, aus welchen die thierischen Organismen zusammengestellt sind, in chemischer und physikalischer Beziehung und zerfällt demgemäss in die Zoochemie und Zoophysik.
Ad II. Die letztere, die Zoophysiologie1 2) hat die Aufgabe, die Leistungen des Thierleibes festzustellen und sie aus den elementaren Bedingungen desselben mit Nothwendigkeit herzuleiten — zu erklären und findet ihr Material sowohl in der Formen- und Stofflehre, als auch in der vergleichenden B Bo graphie, welche sich mit der Ermittelung und Beschreibung der sämmtlichen somatischen und psychischen Lebenserscheinungen und Lebensäusserungen der Thiere beschäftigt.
Die vergleichende Biographie steht zur Physiologie in einem ähnlichen Verhältnisse, wie die Zoographie zur Morphologie und zur Physiologie.
Dass ich die Entwickelungsgeschichte, die Zoomorphose, in das
1	J. Victor Oarus: System der thierischen Morphologie. Leipzig 1853. W. Engelmann.
2	Anatomisch-physiologische Uebersicht des Thierreichs von Bergmann und Leuckart. — Stuttgart 1S55. Müller.