﻿Zur Orientirung im Gesammtgebiete der Zoologie.
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auf den höchsten Punkt der Gegend führte — auf einen Punkt, von dem aus Wald und Wiese, Fluss und Hügel. Berg und Thal dem Beschauer in grossen und bestimmten Zügen entgegentreten, während die einzelnen Blätter und Grashalme, Steinclien und Wassertropfen im Gesammtbilde verschwinden. Sind mir daher trotz wiederholter aufmerksamer Wanderung durch Berg und Thal. Wald und Wiese aus der unermesslichen Fülle des Details, so mancher Baum, so mancher Stein und deren Namen auch gänzlich unbekannt, so glaub’ ich doch die Gegend besser zu kennen als Jene, welche wohl jedes Blatt im Walde, jedes Sandkorn am Boden zu nennen wissen, aber den Wald vor lauter Bäumen nicht kennen, den Boden vor lauter Sand nicht sehen, weil sie niemals jenen höchsten Punkt erklommen haben, um sich über ihren beschränkten Gesichtskreis zu erheben. Doch ohne Bild zu sprechen: mich führte die anatomisch-physiologische Forschung in das Gebiet der Zoologie ; es war mir daher viel wesentlicher zu erfahren, w a s ein Säugethier, ein Insect, ein Wurm, ein Polyp sei, wie die Lehensverrichtungen der Thiere zu Stande kommen. auf welche Weise sie sicli in dieser Hinsicht von anderen Thieren unterscheiden und welche Stelle sie nacli ihren verwandtschaftlichen Beziehungen im Thierreiche einnehmen, — als die zwei lateinischen Namen kennen zu lernen, unter welchen ein Thier in den zoologischen Registern geführt wird, oder mir zu merken, dass z. B. Cyprinus Carpio 4 Bartfäden besitzt, während Cyp. Carassius ganz ohne Bartfäden ist. Die Richtung meiner zoologischen Studien ist hiermit bezeichnet. Ich halte diese Richtung für mindestens ebenso berechtigt, als die jener sogenannten Zoologen, deren Thätigkeit sich darauf beschränkt, die Flossenstrahlen der Fische, die Tarsenglieder der Insecten u. s. w. zu zählen und die Species-Namen auswendig zu behalten. Zwar verkenne ich durchaus nicht die Bedeutung einer möglichst ausgedehnten Kenntniss der zahllosen Thierarten und bezeichne auch ich nur Jenen mit dem Namen eines vollendeten Zoologen, der zugleich Zoognost ist, allein die Specieskrämerei ist und bleibt doch nur Handlangerarbeit gegenüber der grossen Aufgabe der wissenschaftlichen Zoologie. Und wenn man auch kein Gebäude ohne Handlanger aufbauen wird, so kann es doch wohl Niemandem einfallen, die Thätigkeit dieser unentbehrlichen aber untergeordneten Kräfte, jener des Architekten, der den Bau leitet, gleichzustellen.
Nach diesen Andeutungen über meinen wissenschaftlichen Standpunkt versteht es sich wohl von seihst, dass mich nur eine solche Behandlung meines Lehrgegenstandes, wie Leuckart, Bergmann, Vogt und Bronn dieselbe mit Glück versucht haben, befriedigen kann. Da
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