	Zur Orientirung im Gesammtgebiete der Zoologie.	403

auf den hchsten Punkt der Gegend fhrte - auf einen Punkt, von
dem aus Wald und Wiese; Fluss und Hgel, Berg und. Thai dem Be-
schauer in grossen und bestimmten Zgen entgegentreten, whrend
die einzelnen Bltter und Grashalme, Steinehen und Wassertropfen im
Gesammtbilde verschwinden. Sind mir daher trotz wiederholter auf-
merksamer Wanderung durch Berg und Thai, Wald und. Wiese aus der
unermesslichen Flle des Details, so mancher Baum, so mancher Stein
und deren Namen auch gnzlich unbekannt, so glaub' ich doch die
Gegend besser zu kennen als Jene, welche wohl jedes Blatt im Walde,
jedes Sandkorn am Boden zu nennen wissen, aber den Wald vor lauter
Bumen nicht kennen, den Boden vor lauter Sand nicht sehen, weil sie
niemals jenen hchsten Punkt erklommen haben, um sich ber ihren
beschrnkten Gesichtskreis zu erheben. Doch ohne Bild zu sprechen:
mich fhrte die anatomisch-physiologische Forschung in das Gebiet
der Zoologie; es war mir daher viel wesentlicher zu erfahren, w a s
ein Sugethier, ein Insect, ein Wurm, ein Polyp sei, wie die Lebens-
verrichtungen der Thiere zu Stande kommen, auf welche Weise sie
sich in dieser Hinsieht von anderen Thieren unterscheiden und. welche
Steile sie nach ihren verwandtschaftlichen Beziehungen im Thierreiche
einnehmen, - als die zwei lateinischen Namen kennen zu lernen,
unter welchen ein Thier in den zoologischen. Registern gefhrt wird,
oder mir zu merken, dass z. B. Gyprinus Carpio 4 Bartfden besitzt,
whrend Gyp. Carassius ganz ohne Bartfden ist. Die Richtung meiner
zoologischen Studien ist hiermit bezeichnet. Ich halte diese Richtung
fr mindestens ebenso berechtigt, als die jener sogenannten Zoologen,
deren Thtigkeit sich darauf beschrnkt, die Flossenstrahlen der
Fische, die Tarsenglieder der Insecten u. s. w. zu zhlen und die
Species-Namen auswendig zu behalten. Zwar verkenne ich durchaus
nicht die Bedeutung einer mglichst ausgedehnten Kenntuiss der zahl-
losen Thierarten und bezeichne auch ich nur Jenen mit dem Namen
eines vollendeten Zoologen, der zugleich Zoognost ist, allein die
Speeieskrmerei ist und bleibt doch nur Handlangerarbeit gegenber
der grossen Aufgabe der wissenschaftlichen Zoologie. Und wenn man
auch kein Gebude ohne Handlanger aufbauen wird, so kann es doch
wohl Niemandem einfallen, die Thtigkeit dieser unentbehrlichen aber
untergeordneten Krfte, jener des Architekten, der den Bau leitet,
gleichzustellen.
	Nach diesen Andeutungen ber meinen wissenschaftlichen Stand-
punkt versteht es sich wohl von selbst, dass mich nur eine solche Be-
handlung meines Lehrgegenstandes, wie LEIJOKART, BERGMANN, VOGT
und BRONN dieselbe mit Glck versucht haben, befriedigen kann. Da
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