402 	Zur Orientirung im Gesammtgebiete der Zoologie.

Die eben aufgezhlten Einzelndiseiplinen, in welche sich nach unserer
Auffassung die wissenschaftliche Zoologie spaltet, haben das
Thier zum Object und treffen in dem einen Endziele zusammen jene
Gruppe von Erscheinungen an thierischen Wesen, die man gewhn-
lich Leben nennt, ihrem gesetzmssigen Zusammenhange nach zu
erkennen.
	Wenn wir nun diese Einzelndisciplinen in eine -gemeinschaftliche
Darstellung zusammenfassen wollen, so kommen wir, wie BRONN a.
a. 0. S. 3 treffend sagt, in die Verlegenheit mehrfacher Wieder-
holung derselben Materie in verschiedener Form, theils weil sie sich
grsstentheils nicht mit verschiedenen Objecten beschftigen, sondern
dieselben Objecte nur aus verschiedenen Gesichtspunkten Thid in an-
derer Ordnung betrachten, theils aber auch, weil die Anatomie der
Thiere z. B. so wenige oder vielmehr gar keine durch das ganze Thier-
reich hindurchgreifende Bildungen darbietet, dass wir ausser Stande
sind, das Thier.anatomisch zu charakterisiren, wir knnen bloss
T hier e gewisser Klassen und Ordnungen u. s. w. anatomisch be-
schreiben, d. h. es gibt nur eine Anatomie der Wirbelthiere z. B. und
eine davon fast ganz verschiedene Anatomie der Inseeten, der Mollus-
ken, Infusorien. Eine gemeinsame Anatomie des ganzn Thierreiches
wrde berall zu Vieles aussagen, was in den meisten Fllen nicht
wahr ist. Wir mssen aus dieser Ursache der anatomischen Betrach-
tung, eben so wohl als der chemischen, physiologischen und psycholo-
gischen das zoologische System zu Grunde legen, und umgekehrt er-
fordert das natrliche System eine genaue Betrachtung der Thiere aus
allen Gesichtspunkten: der Chemie, der Anatomie, der Physiologie
u. s. w., wie denn auch wieder die Physiologie sieh in unserer gegen-
wrtigen Aufgabe schwer, ohne die anatomische Betrachtung der ein-
zelnen Organe sogleich damit zu verbinden, durchfhren lsst. Wir
mssen daher die oben angedeuteten einzelnen Wissenschaften fr
unsern Zweck ganz anders behandeln und sie im Ganzen inniger mit
einander verschmelzen, als wenn wir jede derselben nur fr sich ab-
geschlossen darzustellen htten. Wir mssen demnach alle jene
Wissenschaften einer unter ihnen, nmlich der Zoo log i e, unterord-
nen und knnen sie in dieser Verbindung nur in sehr ungleichem Grade
ausgedehnt vortragen, zumal einzelne Zweige noch nicht selbstndig
bearbeitet worden sind. Wir mssen endlich obige wissenschaftliche
Eintheilung in den einzelnen Unterabtheilungen des Thiersystems
wiederholen und so aus den getrennten Theilen ein Ganzes bilden.
	Ich bin auf einem Wege in das Gebiet der Zoologie eingedrungen,
welcher - um mich eines Bildes zu bedienen, gleich von vorn herein
