	Zur Orientirung im Gesammtgebiete der Zoologie.	395

der thierischen Organismen fuhrt,-welches letztere in gewisser Hinsicht
als die allesumfassende Aufgabe, als das ferne Endziel der zoologischen
Bestrebungen, als die Zoologie xrit? ioyv bezeichnet werden kann.
	Das leitende Princip der systematischen Zoologie, welches man
zuerst in ussern Merkmalen, dann im innern Bau der Thiere suchte,
glaubt man endlich in der Entwicklungsgeschichte') gefunden zu ha-
ben. Allein auch dieser neueste Standpunkt, als ein aus a eh lies s -
1 i eh morph o logischer, scheint immer noch zu einseitig - der
richtige nicht zu sein, den da die Art, Species, deren Begriff aner-
kanntermaassen die Grundlage aller systematischen Bestrebungen aus-
macht, eine bestimmte, abgeschlossene und sich selbst erhaltende
Form des organischen Lebens2) ist, so wird das leitende Prin-
cip der zoologischen Systematik offenbar ein morphologisch - ph y -
5 ob g is eh es sein mssen, wenn dessen praktische Durchfhrung
auch noch nicht an der Zeit sein sollte.
	Was brigens das entwicklungsgeschichtliche Princip
betrifft, welches einen eben so warmen als .gewandten Frsprecher in
meinem Freunde HENSEL gefunden hat, so kann ich einige kritische
Bemerkungen ber die Tragweite desselben hier nicht unterdrcken.
	Nach HENSEL'S Darstellung knnte es scheinen, als ob nun mit
der Aufstellung und Anwendung dieses Princips alle Unbestimmtheit
und Schwierigkeit der wissenschaftlichen Systematik erledigt und be-
seitigt wre, als ob sich jetzt die Begrndung der wahren systemati-schen 
Einheiten und die Beurtheilung der Dignitt der charakterisiren-
den Merkmale so ohne weiteres von selbst ergeben wrde.
	HEN5EL sagt a. a. 0. S. 3: Nennen wir , Wissenschaft' ein
System von Stzen, deren jeder seine Wahrheit aus dem vorangehen-
den ableitet, und deren ersten dieselbe entweder a priori oder aus
schon bewiesenen Stzen einer andern Wissenschaft besitzt, so werden
wir an jede Disciplin, die sich Wissenschaft nennt, das Verlangen
stellen, fr die Wahrheit ihrer Lehrstze auch den nthigen logischen
Beweis zu liefern. Dies auf die Zoologie angewendet, so werden wir
es nicht stillschweigend hinnehmen knnen, wenn z. B. CIJVIER unter
dem Begriff derWirbelthiere eine grosse Anzahl von Thieren vereinigt,
deren Centraltheile des Nervensystems von einer Rckenwirbelsule
umschlossen werden. ''jr werden alsbald nach dem Beweise fr die
Berechtigung einer solchen systematischen Einheit fragen, aber leider
	I R. HENSEL das leitende Princip der systematischen Zoologie. Breslau
1852. Grass, Barth ii. Comp.
	2 R. LEUCKART: Ueber den Polymorphismus der Individuen: S. 2. Giessen
1851. Rickersche Buchhandlung.
