﻿Eine neuro-pliysiologische Beobachtung an einem Triton cristatus. 4((7
ich meine Beobachtung machte, genauer anzugeben und besonders hervorzuheben, da bekanntlich die nervöse Reizbarkeit anderer Lurche mit der Jahreszeit und gewissen Verhältnissen des Lebensprocesses in unleugbarer Beziehung steht, und daher zu vernmthen ist, dass die Reizbarkeit oder Stimmung des Nervensystems, in Folge deren jene Starrsucht durch peripherische Reize hervorgerufen werden konnte, ebenfalls an gewisse äussere und innere Bedingungen geknüpft sein mag.
Bei den kleineren Arten der Gattung Triton, namentlich Triton taeniatus, habe ich bisher keine Spur der mitgetheilten Erscheinung eintreten sehen. Diese Thiere suchen augenblicklich zu entfliehen, ohne auch nur einen Augenblick in jene Erstarrung zu verfallen, wenn sie des lästigen Drucks der Pincette ledig sind.
Ich enthalte mich jeder weitern physiologischen Bemerkung, zu welcher der vorliegende Gegenstand wohl anregen könnte, und schliesse diese kurze Mittheilung mit der Erinnerung an eine im Alterthum bereits bekannte, in gewisser Beziehung analoge Erscheinung bei einer ägyptischen Schlangenart. Ich meine das schon von den alten Psyllen prakticirte Erstarren der Naja haje, über welche man bei Okex Allgem. Naturgeschichte, Stuttgart 1836. Thierreich. Bd. Ill, S. 563 folgende Notiz findet :
»Die sogenannten Zauberer fangen sie die Haje, Nesclier genannt ebenfalls, reissen ihr die Zähne aus und machen mit ihr allerlei Gaukeleien, um dadurch Geld zu gewinnen. Sie sind namentlich im Stande, sie steif zu machen, dass sie dieselbe wie einen Stock in der Luft hin- und herschwingen können, trotz den Zauberern zu Pharaon’s Zeiten, welche Moses zu Schanden machen wollten, der aber die Kunst ebenfalls verstand. Geoffroy St. Hilaire hat nämlich bemerkt, dass sie dieselben mit dem Daumen hinter dem Kopf drückten, wodurch sie
den Starrkrampf bekommen und steif werden.«............ »Die ganze
M irkung kommt hier augenscheinlich von dem Druck auf den Kopf. Geoffroy wollte daher haben, der Gaukler sollte nichts anderes thun, als ihr die Hand auf den Kopf legen. Das betrachtete er aber als eiuen fürchterlichen F revel, und that es nicht ungeachtet aller Anerbietungen. Geoffroy drückte ihr dann selbst etwas stark auf den Kopf, und sogleich zeigten sich alle Erscheinungen, welche der Gaukler nur durch seine mysteriösen Gesten hervorzubringen glaubte. Als er dies sah. lief er aus Schrecken davon, weil er dieses AVunder für eine schauderhafte Entheiligung hielt. «
Graz, 30. Mai 1855.