406	Eine neuro-physiologische Beobachtung an einem Triton cristatus.

wenn die druckende Pincette auch schon lngst entfernt war. Ich
wiederholte diesen berraschenden Versuch wohl 15 bis 20 Mal hinter-
einander, wobei das Thier einen sehr schaumigen, belriechenden
Schleim absonderte und rasch an Krften abnahm. Ich hatte das Thier
in ein weites Gefss von Blech gethan und bemerkte, dass der be-
schriebene Zustand der Erstarrung nun auch durch ein starkes Auf-
schlagen mit der Pincette auf dem Boden des Blechgefsses hervor-
gerufen werden konnte - ob in Folge der Erschtterung oder des
drhnenden Schalles, lasse ich dahingestellt.
	Als ich nach einigen Stunden den Versuch an dem sehr erschpf-
ten Thiere wieder vornehmen wollte, misslang er vollstndig; die.Reiz-
barkeit schien erloschen zu sein. Unmittelbar darauf schenkte ich, in
einer Anwandlung von Mitleid, dem gequlten Thiere die Freiheit.
	Ich htte nun sehr gewnscht, die mitgetheilte auffallende Er-
fahrung an mehreren anderen Individuen von Triton cristatus zu be-
sttigen und weiter zu verfolgen, um festzustellen, ob diese Starrsucht
nach heftiger Reizung der sensitiven Sphre als eine dieser Thier-
species allgemein zukommende Erscheinung oder aber als ein bbs in
Folge einer individuellen Reizbarkeit meines Exemplares eingetretenes,
mehr zuflliges Phnomen anzusehen sei? Zu meinem grossen
Leidwesen konnte ich aber seit jener Zeit, trotz aller mglichen Be-
mhungen, auch nicht Ein Exemplar des grossen Triton cristatus in
unserer Gegend mehr auftreiben und muss ich es einer sptem Zeit
oder anderen Forschern, welchen solche Thiere gegenwrtig zu Gebote
stehen sollten, berlassen, den Gegenstand weiter zu verfolgen.
	Nichtsdestoweniger glaube ich aber Ihnen diese in physiologi-
scher Beziehung gewiss nicht uninteressante -wenn auch nur an Einem
Individuum, so doch mit aller Schrfe und Sicherheit gemachte -
Beobachtung mittheilen zu sollen, denn wenn sich auch dieselbe spter
nicht an allen Exemplaren von Triton cristatus oder berhaupt gar
nicht besttigen liesse, so bliebe sie darum doch fr den Einen Fall
nicht minder gewiss und verlre wenig oder nichts von ihrem neuro-
physiologischen Interesse.
	Hervorzuheben ist noch, dass sich mein Thier, bevor ich auf die
mitgetheilten Versuche verfallen war, seit etwa S Tagen in der Ge-
fangenschaft befunden und ausgehungert hatte whrend dieser Zeit,
und ferner, dass es seine geschlechtliche Arbeit bereits geleistet zu
haben schien, indem der Kamm, welcher die mnnlichen Tritonen so
auffallend ziert und auszeichnet, welk und schlaff, schon in der
Schrumpfung begriffen war.
Ich hielt es nicht fr berflssig, diese Umstnde, unter welchen
