Eine neuro-physiologische Beobachtung an einem Triton eristatus. 407

-ich meine Beobachtung machte, genauer anzugeben und besonders
hervorzuheben, da bekanntlich die nervse Reizbarkeit anderer Lurche
mit der Jahreszeit und gewissen Verhltnissen des Lebensprocesses in
unleugbarer Beziehung steht, und daher zu vermuthen ist, dass die
Reizbarkeit oder Stimmung des Nervensystems, in Folge deren jene
Starrsucht durch peripherische Reize hervorgerufen werden konnte,
ebenfalls an gewisse ussere und innere Bedingungen geknpft
sein mag.
Bei den kleineren Arten der Gattung Triton, namentlich Triton
taeniatus, habe ich bisher keine Spur der mitgetheilten Erscheinung
eintreten sehen. Diese Thiere suchen augenblicklich zu entfliehen,
ohne auch nur einen Augenblick in jene Erstarrung zu verfallen, wenn
sie des lstigen Drucks der Pincette ledig sind.
	Ich enthalte mich jeder weitern physiologischen Bemerkung, zu
welcher der vorliegende Gegenstand wohl anregen knnte, und
schliesse diese kurze Mittheilung mit der Erinnerung an eine im Alter-
thurn bereits bekannte, in gewisser Beziehung analoge-Erscheinung bei
einer gyptischen Schlangenart. Ich meine das schon von den alten
Psyllen prakticirte Erstarren der Naja haje, fiber welche man bei OXEN
(Allgem. Naturgeschichte, Stuttgart 1836. Thierreich. Bd. III, S. 563,
folgende Notiz findet:
	))Die sogenannten Zauberer fangen sie (die Haje, Nescher ge-
nannt) ebenfalls, reissen ihr die Zhne aus und machen mit ihr allerlei
Gaukeleien, um dadurch Geld zu gewinnen. Sie sind namentlich im
Stande, sie steif zu machen, dass sie dieselbe wie einen Stock in der
Luft hin- und herschwingen knnen, trotz den Zauberern zu Pharaon's
Zeiten, welche Moses zu Schanden machen wollten, der aber die Kunst
ebenfalls verstand. GEOFFROY St. HILAIRE hat nmlich bemerkt, dass
sie dieselben mit dem Daumen hinter dem Kopf drckten, wodurch sie
	den Starrkrampf bekommen und steif werden.  . . 	. . . . . . . . . Die 
ganze
Wirkung kommt hier augenscheinlich von dem Druck auf den Kopf.
GEOFFROY wollte daher haben, der Gaukler sollte nichts anderes thun,
als ihr die Hand auf den Kopf legen. Das betrachtete er aber als einen
frchterlichen Frevel, und that es nicht ungeachtet aller Anerbietungen.
GEOFFROY drckte ihr dann selbst etwas stark auf den Kopf, und so-
gleich zeigten sieh alle Erscheinungen, welche der Gaukler nur durch
seine mysterisen Gesten hervorzubringen glaubte. Als er dies sah,
lief er aus Schrecken davon, weil er dieses Wunder fr eine schauder-
hafte Entheiligung hielt. 
Graz, 30. Mai 1855.
