﻿414
Ueber den sehallerzeugenden Apparat von Crotalus.
Schwanzspitze halte, denn es ist recht gut möglich und sogar wahrscheinlich , dass die Hautverdickung des Endkörpers ihren epidermoi-dalen Ueberzug erst einige Mal (wie die übrige Haut durchs ganze Leben) spurlos verliert, ehe es zur Bildung von eigentlichen, bitzen-bleibenden Klappergliedern kommt.
Hinsichtlich der Bildungsweise der Klapper kann man nun aus den mitgetheilten anatomischen Thatsachen, welche in der halbschematischen Zeichnung (Fig. 8) gewissermaassen resumirt sind. Folgendes zum Theil mit Sicherheit, zum Theil mit Wahrscheinlichkeit schliessen :
1 Jedes einzelne Glied bildet sich als härterer, epidermoidaler Ueberzug auf der Hautverdickung des Endkörpers und trennt sich später, gleich der übrigen Epidermis, von der secernirenaen Unterlage ab. Es ist klar, dass, da jedes Glied der genaue Abdruck der Form jener Hautverdickung sein muss, aus der Form und Grösse der Glieder auf die verschiedenen Gestalten, welche diese letztere, während des Wachsthums des Thieres und der Bildung der Klapper, successive angenommen hat, zurückgeschlossen werden darf.
Dieser successive Gestalt- und Grössenwechsel der Hautverdickung kann nun offenbar nicht bloss darin bestehen, dass nach vollendeter Absonderung eines Gliedes die ihm entsprechenden drei Anschwellungen der Hautverdickung einfach jene Formen annehmen, welche dem neu abzusondernden Gliede entsprechen, denn dann müssten die jüngeren grösseren Glieder die-älteren, kleineren zersprengen, und würde es niemals zur Herstellung einer Reihe in der Art an einander hängender mützenförmiger Stücke kommen, wie wir sie an der Klapper wirklich gesehen haben.
2) Es ist daher vielmehr anzunehmen, dass der successive Gestalt-und Grössenwechsel der Hautverdickung in der Weise vor sich geht, dass die erste (vorderste) Anschwellung derselben, welche die erste Ausbuchtung des eben fertig gewordenen Gliedes absonderte, in jene Form und Grösse sich hineinbildet, welche der Form und Grösse der zweiten mittlern Ausbuchtung des neu abzusondernden, nächst jüngem Gliedes entspricht, während die zweite mittlere Anschwellung, welche die zweite mittlere Ausbuchtung des eben vollendeten Gliedes absonderte, jene Form- und Grössenverhältnisse erhält, die der dritten oder Endausbuchtung des neuanzusetzenden Gliedes entsprechen.
3 Allein auch dies würde begreiflicher Weise noch nicht ganz zum Ziele fuhren : und wir sind — so seltsam der einer fortschreitenden Wellenbewegung vergleichbare Vorgang auch erscheinen mag — gezwungen als ein weiteres Postulat hinzuzusetzen, dass während der