﻿438 Beiträge zur Kenntniss der Beihilfe der Nerven zur Speichelsecretion.
endlich in mehreren Fällen in gänzlichen Stillstand gerieth, während sie hei alleiniger Reizung des Drüsenastes vom Lingualis viel längere Zeit in mehr oder weniger gleichmässigem raschen Steigen verblieben wäre. (Vgl. Fig. 1 und 5, Taf. 21 mit den übrigen). Wurde dann die Reizung beider Nerven unterbrochen, so stellte sich als Nachwirkung (durch Reflex? ein ganz allmähliches Steigen der Speichelsäule ein.
Wurde nur die Reizung des Sympathicus unterbrochen, so ergab die fortgesetzte Reizung des Drüsenastes des Lingualis meist eine ver-hältnissmässig sehr geringe Wirkung, ja in einem Fall, wo in Folge der Erregung beider Nerven nach der anfänglichen Beschleunigung des Steigens der Speichelsäule endlich völliger Stillstand derselben eingetreten war, blieb die Speichelsäule sogar während einer über eine halbe Minute andauernden Reizung des Drüsehastes vom Lingualis unverrückt stehen. Taf. 21, Fig. 2 . Dieser Fall dürfte beitragen, jenen oben erwähnten, scheinbar misslungenen VersuclTTder mich zu den vorliegenden Untersuchungen veranlasste, zu erklären.
Die Wirkung der nach Unterbrechung der Reizung des Drüsenastes vom Lingualis fortgesetzten Sympathicus-Reizung ersieht man aus Fig. 2. In ähnlicher hemmender Weise wirkt die Sympathicus-Reizung auch auf den Speichelstrom, der in Folge einer Nachwirkung einer früheren Erregung aus der Drüse hervorquillt. Vgl. Taf. 21, Fig. 31.
Nach meiner unmaassgeblichen Auffassung nun dürfte, wie gesagt, in den von mir aufgefundenen Thatsachen eine neue Art von »Hemmungserschei n u n g « vorliegen ^ welche unverkennbar eine gewisse Analogie hat mit der von Ed. Weber und J. Budge entdeckten Hemmung der Herzthätigkeit durch Reizung der Vagi, so wie mit dem von Pflüger entdeckten Stillstehen der peristaltischen Darmbewegungen in Folge einer Reizung der N. splanchnici, und welche, wie es scheint (wenigstens zum Th eil), unter dem Imperium des sympathischen Nervensystems steht.
Im vorliegenden Falle sind die Verhältnisse offenbar noch viel verwickelter, die Bedingungen der Erscheinung viel complexer als bei der Hemmung der Herz- und Darmbewegungen, weshalb es vorläufig bei der Mittheilung der nackten Thatsachen, welche mit der Zeit wohl manchen erweiternden und beschränkenden Zuwachs erhalten werden, sein Bewenden haben muss.
Schliesslich erlaube ich mir die letzte am 24. Mai 1. J. an einem mittelgrossen, auf beiden Seiten operirten männlichen Hunde, mit aller Exactheit und Bequemlichkeit der oben skizzirten Beobachtungsmethode angestellte Versuchsreihe in extenso mitzutheilen.