456	Ueber die Dauer und die Anzahl der Ventrikel-Contruetionen etc.

ermitteln, wie lange und wie oft das ausgeschnittene Herz noch
schlgt, je nachdem die Vagi vorher durchschnitten oder einige Zeit
hindurch und whrend des Ausschneidens elektrisch gereizt worden
waren.
	Wir haben dieser Untersuchung mehr als 60 Kaninchen und viele
Stunden in den Monaten Februar bis Juni 1. J. geopfert.
	Nichtsdestoweniger verkennen' wir durchaus nicht, dass die ver-
hltnissmssig bedeutende Zahl unserer Versuche noch viel zu gering
ist, als dass einige der von uns erhaltenen Zahlen grosses Vertrauen
beanspruchen knnten, obschon andere derselben allerdings kaum
einen Zweifel ber ihre allgemeine Gltigkeit zulassen.
	Es ist uns von vornherein klar gewesen, dass es uns unmglich
sein wrde, bei der Ermittelung des Antheils der voraufgegangenen
Vaguswirkung an der, als Function der sie erzeugenden Bedingungen
aufgefassten Leistung des ausgeschnittenen Herzens die brigen an
diesem Vorgange sich betheiligenden Bedingungen auch nur annhernd
constant zu erhalten.
	Denn hierzu wren wenigstens Kaninchen desselben Wurfes,
in gleicher Weise aufgezogen und unter mglichst gleichen Umstnden
untersucht, erforderlich gewesen, da selbstverstndlich ein und das-
selbe Thier weder zu gleicher Zeit noch zu wiederholten Malen zu
diesen Versuchen bentzt werden kann.
	Das k. k. physiologische Institut in Krakau, dessen Grndung
freilich erst einige Monate zurtickdatirt, ist jedoch noch nicht im Be-
sitze einer eigenen Kaninchenzucht, da zunchst noch dringenderen
Bedrfnissen Rechnung getragen werden musste.
	Wenn wir uns nun nichtsdestoweniger auf diese Untersuchung
einliessen, so lag der Grund einfach in der vielleicht nicht unberech-
tigten oder doch verzeihlichen Vermuthung, es werde die zu variirende
Bedingung (Vaguswirkung) einen viel grsseren Einfluss auf die Er-
zielung von Differenzen in der Gesammtleistung (Thtigkeit des aus-
geschnittenen Herzens) haben, als sich aus unseren Versuchsresultaten
unmittelbar ergeben hat.
	Dass wir unter solchen Umstnden die ganze Untersuchung nicht
frher haben fallen lassen und jetzt mit einer zu dem gemachten

roverse angeregt werden, welche ber die ganz analoge Digitaliswirkung zwi-
schen TRAUBE und STANNIUS besteht. Wusste man genau, welchen Einfluss
die voraufgehende Vagusreizung oder Lithmung auf die Leistung des 
aufgeschnit-
tenen Herzens hat, so konnte man das Verhalten des in verschiedenen Phasen 
der
Digitalis- und Chloroformwirkung ausgeschnittenen Herzens zur Beilegung jener
Controverse gar wohl mit bentzen.
