﻿lieber reine und nasalirte Vocale.
465
Lautlehre nicht immer von Neuem Controversen auftauchen, welche man längst für beseitigt halten sollte«.
Dies die Veranlassung, wenn ich im Folgenden, behufs der Entscheidung der Frage, ob in einem gegebenen Falle Luft durch die Nase ausströmt, d. h. die Gaumenklappe offen ist oder nicht, ein solches leichtes und einfaches Experiment empfehle, obschon es an sieh als eine volkstümliche Probe zur Constatirung des eingetretenen Todes allgemein bekannt ist.
Das Experiment ist in der That so trivial und naheliegend, dass ich Bedenken tragen würde, damit vor die Oeffentlichkeit zu treten, wenn es nicht, trotz seiner Trivialität ein unübertreffliches Mittel wäre, die immer wiederkehenden Zweifel über die Betheiligung des Nasenverschlusses beim Hervorbringen der reinen Vocale ein für allemal zu erledigen und zu beseitigen.
Um zu erfahren, ob beim Hervorbringen irgend eines Lautes Luft aus der NasU strömt oder nicht, halte ich nämlich einfach einen gewöhnlichen kleinen Handspiegel oder eine polirte Metallplatte, z. B. eine breite Messerklinge, in horizontaler Biehtung unter die Nasenlöcher und beobachte, ob sich die blanke Oberfläche beschlägt oder nicht.
Die leiseste Spur eines Lufthauches macht sich auf dem kalten Glase oder Metall sofort durch niedergeschlagenen Wasserdampf bemerklich.
Diese Probe lässt an Empfindlichkeit, welche überdies durch Veränderung der Temperatur des Spiegels nach Belieben regulirt werden kann, nichts zu wünschen übrig, und übertrifft auch an Bequemlichkeit Bkücke’s Versuch mit dem brennenden Wachsstock 1 bei weitem.
Es kann sich nun Jedermann, der etwa noch zweifeln könnte, überzeugen, dass während des regelrechten Hervorbringens der reinen Vocale keine Luft aus der Nase hervorströmt, und dass somit die Gaumenklappe bei der Bildung der Vocale ohne Nasenton factisch geschlossen ist.
Um den Versuch recht sicher anzustellen, bringe man die möglichst rein intendirten Vocale continuirlich hervor, und schiebe den Spiegel erst dann unter die Nase, nachdem der Laut schon zu tönen angefangen', entferne jedoch den Spiegel, bevor der Laut zu tönen aufgehört. Der Spiegel bleibt vollkommen blank und unbehaucht, während reine Vocale hervorgebracht werden.
So wie man den Voealen den Nasenton beigibt, zeigt ein reich-
1 Grundzüge der Pliys. u. Syst. d. Sprachlaute, S. 2S.
Czermak, Schriften.
30