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Einige Beobachtungen über die Sprache etc.
Unvollkommenheit anmerkt, muss dagegen einigennaassen überraschen , da sich bekanntlich die Mediae von den entsprechenden Re-sonanten wesentlich nur durch den Verschluss der Gaumenklappe unterscheiden. ')
Da die Patientin die Gaumenklappe nicht öffnen kann, so würde sie, wenn sie die Bewegungen des Gesunden machte, statt des Reso-nanten immer nur die entsprechende Media erzeugen. Hievon hält sie der so verschiedene akustische Edect ab und sie ersetzt desshalb die ihr unmöglich gewordenen wahren Resonanten durch die ihnen ähnlichen Purkyne’sehen »Blählaute«2), wobei sie zugleich bemüht ist den Verschluss des Mundcanals möglichst geräuschlos zu bewerkstelligen oder zu lösen, was nur hei grösserer Aufmerksamkeit und mit einiger Anstrengung möglich ist, weshalb sie auch erklärte, es sei ihr bequemer bein auszusprechen, als mein, dein als nein, läge als lange !
Auf die bezeichnete Art kann man in der That mit geschlossener Gaumenklappe , wovon sich Jeder bei einiger Geschicklichkeit durch Selbstbeobachtung überzeugen kann, statt der Mediae Laute hervorbringen, welche den entsprechenden Resonanten täuschend ähnlich sind: hat doch Kempelen selbst, ehe er den wahren Unterschied der Tenues von den Mediae aufgefunden hatte, geglaubt, dass sich z. B. das b vom p durch ein vorlautendes m unterscheide.
Freilich lassen sich die für die Resonanten vicariirenden Blählaute nicht continuirlich hervorbringen, weil die aus der zum Tönen verengten Stimmritze hervorströmende Luft den allseitig gesperrten Raum alsbald so sehr erfüllt, dass ein Nachströmen derselben unmöglich wird. Desshalb spricht das Mädchen ihre Resonanten-Surro-gate auch sehr kurz und zerfällt, wenn sie besonders deutlich sprechen will, den Resonanten der dritten Reihe, welchen Brücke mit n bezeichnet und bei welchem der Verschluss der Mundhöhle weit hinten am Gaumen geschieht, sogar unwillkürlich in ihr unvollkommenes « und in cj. Sie sagt dann Wan-ge, Klin-gel etc.
Bemerkenswerth ist noch der Umstand dass das Mädchen jedesmal die Nasenflügel, mit dem Bestreben die Nasenlöcher zu verengen, bewegt, wenn sie sich anstrengt einen der Resonanten möglichst deutlich hervorzubringen.
Diese seltsamen Mitbewegungen deuten darauf hin, dass die Patientin, wenn sie Resonanten intendirt, instinctiv Alles thut was
1	Brücke, »Nachschrift«, S. 72.
2	Brücke, »Grundziige der Systematik und Physiologie der Sprachlaute«, S. 56.