﻿Einige Beobachtungen über die Sprache etc.
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Das Gaumensegel ist übrigens trotz seiner Verwachsung mit der Rachenwand nicht absolut unbeweglich. sondern kann nach Willkür stärker emporgewölbt oder mehr abgeflacht, gespannt oder erschlafft werden. — Die kleine Patientin, welche die beschriebene Missbildung ihrer Sprackorgane erlitten hat, wurde mir vor Kurzem durch Herrn Dr. Semeleder, dem ich hiemit öffentlich danke, vorgestellt, und ich benützte die Gelegenheit einige Beobachtungen über ihre Lautbildung zu machen um so lieber, als dieser Fall ein seltenes Gegenstück zu dem von Brücke untersuchten interessanten Falle mit gänzlichem Mangel des weichen Gaumens M abgibt. Die Resultate der Untersuchung, welche ich zum Theile gemeinschaftlich mit Herrn Prof. Brücke und Dr. Semeleder anstellte, sind folgende :
1.	Die reinen Vocale «, e. o und u konnte das Mädchen ganz deutlich und gut aussprechen; das «jedoch lautete wie ein gequetschtes e, wenn es continuirlich und für sich allein hervorgebracht werden sollte, während es doch im Flusse der Rede zwischen anderen Buchstaben deutlich genug ausgesprochen werden konnte.
Diese Unvollkommenheit war vielleicht durch die in Folge der Verwachsung limitirte Hebung des Gaumensegels, welches beim i wie ich früher1 2) durch Fühlhebelversuche zeigte, am höchsten zu stehen kommt, — obschon die normale, verschiedene Stellung des weichen Gaumens, wie Brücke's oben citirter Fall beweist, nur eine Nebenbedingung für das Hervorbringen der Vocale sein.kann; offenbar aber auch durch die geringe Biegsamkeit des Zungenrückens in Folge der daselbst vorhandenen Anschwellung und Geschwürsbildung bedingt.
2.	Vocale mit dem Nasenton konnte das Mädchen, wie zu erwarten stand, auf keine Weise hervorbringen.
3.	Dass das Mädchen die wahren Resonanten der drei Arti-culationsgebiete, welche Brücke mit m, n und n bezeichnet, nicht würde bilden können, war mit Sicherheit vorauszusehen, da die wesentlichste Bedingung dieser Laute : Mitschwingungen der in der Nase enthaltenen Luft, in Folge des Offenstehens der Gaumenklappe hei ihr nicht zu realisiren war.
Dass das Mädchen aber nichts desto weniger den wahren Resonanten sehr ähnliche Laute in allen drei Articulationsgebieten hervorbringt und von den entsprechenden Medien deutlich unterscheidet z. B. mein und bein, nein und dein, lange und läge . so dass man ihrer Sprache in dieser Beziehung eine verhältnissmässig geringe
1 Brücke, « Nachschrift . . .« Sitzungsb. 1858. Bd. XXVIII. S. li.'i.
- Sitzungsberichte 1857, Bel. XXIV, S. 4.