﻿Der Kehlkopfspiegel
559
Färbung und zu meinend Erstaunen eine ziemliche Beweglichkeit, namentlich fielen bei forcirten plötzlichen Inspirationen und intendirten Lauten die Bewegungen des hintern Abschnittes derselben, in welchen die Processus vocales der Arytaenoidknorpel stecken, auf.
Ein genauer Verschluss der Glottis vera durch Aneinanderlagerung der Bänder der wahren Stimmbänder konnte nicht bewerkstelligt werden ; am meisten klaffte die Rima glottidis zwischen den /Vor. vocales. Zwischen den klaffenden Bändern der Glottis sah ich in eine seichte, von zwei dunkelgefärbten Schleimhautwülsten gebildete longitudinale Furche.
Der Sitz des Larynxverschlusses war somit erkannt. Er liegt unterhalb des freien Bandes der wahren Stimmbänder, deren oberste Lamelle, nebst den übrigen sichtbaren Kehlkopftheilen. — abgesehen von der geringen Schwellung der falschen Stimmbänder und der Umgebung der Ary-knorpel wesentlich normal sind.
Um die Ausdehnung und Beschaffenheit des Larynxverschlusses genauer ermitteln zu können. kam ich nun auf die Idee, eine von Dr.
Neudörpeb 1. c. 6 vorgeschlagene, mir damals noch nicht bekannte, in allen ähnlichen Fällen vorzunehmende Anwendung des Kehlkopfspiegels zu machen, nämlich durch die künstliche Oeff-uung des Larynx hindurch einen kleinen Spiegel einzuführen und so einen Einblick in den Kehlkopf von unten her zu gewinnen. Zu diesem Ende wurde zunächst eine wenig gebogene und möglichst weite Caniile. in deren obere Wand eine grosse Oeffnung geschnitten war, angefertigt und in die durch die Laryngotomie zwischen dein Ring- und Schildknorpel bewerkstelligte Oeffnung eingebracht : durch dieselbe atlimete die Patientin eben so ungehindert wie durch ihre gewöhnliche Caniile.
Sodann schob ich ein ganz kleines, an einem passend gebogenen Stiel befestigtes Metallspiegelchen mit schief nach aufwärts und vorn gekehrter refiectirender Fläche, so tief in die Caniile ein, dass es sich zum Theil in dem Ausschnitte der obern Wand der Canäle und unmittelbar unter der untern Mündung des Larynx befand. Wurde nun vermittelst eines gewöhnlichen kleinen Augenspiegels concentrâtes Lampenlicht auf das Spiegelchen geworfen, so wurde das Innere des Kehlkopfes von unten her hell beleuchtet und spiegelte sich, für das