﻿565
Der Kehlkopfspiegel-
vocales bedingt sind ,s. oben VIII, Abtli. physiolog. Beobachtungen . während des geschwollenen Zustandes der Stimmbänder aber nicht bemerkt worden waren.
Die Bedeutung der liier zum zweiten Male erprobten Neudöreer-schen Untersuchungsmethode durch die gefensterte Athmungscanüle hindurch liegt auf der Hand, denn einmal erlaubt sie uns die Kehlkopf-tlieile von einer neuen Seite ausserordentlich bequem und scharf zu beobachten, und bringt uns auch solche Theile zu Gesicht, welche bei der Untersuchung von oben her schwer zugänglich sind oder für immer ganz entzogen bleiben : und dann ist es auf diesem Wege, wie schon Dr. Neudörfer hervorgehoben hat, möglich, einen Einblick in die tiefsten Kegionen der Trachea zu gewinnen. welche von oben bisher nur unter besonders günstigen Umständen gesehen werden können.
Wichtiger als dieser letztere Vortheil erscheint mir jedoch die Möglichkeit, unter Beihilfe dieser Untersuchungsmethode an den Kehlkopf-tlieilen Sondirungen. Aetzungen und andere operative Eingriffe, bei welchen man genau sehen muss, was man thut, zu bewerkstelligen, denn durch die gefensterte Caniile hindurch. wo man den Theilen so nahe ist und durch die Verschiebbarkeit der Umgebung wenig oder gar nicht gestört wird. kann man nach meinen bisherigen Erfahrungen bei einiger Uebung verhältnissmässig leicht und sicher manipuliren : ja ich muss es trotz der Empfindlichkeit der Stimmritze für möglich halten, auf diesem Wege z. B. Neubildungen aus dem Larynx und der Trachea zu entfernen. Abscesse zu öffnen u. dgl.
Ich erlaube mir hierbei besonders auf die Anwendbarkeit der galvanokaustischen Methode aufmerksam zu machen, welche sich zu diesen Zwecken. abgesehen von sonstigen Vortheilen. vorzüglich durch das Ausbleiben von Blutungen empfehlen dürfte,
Vierter Fall.
Die Mutter der eben besprochenen Patientin, E. F., 68 Jahre alt. von Baja gebürtig, ist seit 6 Jahren stimmlos. Sie leitet diesen Zustand von einer Erkältung ab. die sie sich durch einen kalten Trunk zugezogen haben will. Die Heiserkeit soll plötzlich eingetreten sein. Patientin läugnet jemals an Syphilis gelitten zu haben. Bei der Untersuchung am 13. Januar 1859 fand ich jedoch eine eiternde Perforation an der Grenze des harten und weichen Gaumens, grosse Substanzverluste am Velum, insbesondere recliterseits, und dann im Schlunde zahlreiche Narben offenbar syphilitischen Ursprungs.
Der Kehlkopf, welcher mit dem Laryngoskop wegen der Unempfindlichkeit der Kachenschleimhaut und der grossen Substanzverluste