﻿Der Kehlkopfspiegel.
569
im Velum sehr leicht und bequem betrachtet werden konnte. bot ein merkwürdiges Bild der Verwüstung. welche die einstigen. jetzt vernarbten Larynxgeschwüre angerichtet hatten, (vgl. Fig. 201. Der Kehldeckel ist bis auf einen kurzen, unregelmässig ausgekerbten (bes. rechts : Stumpf verloren gegangen. Beim Schlingen geräth der Patientin leicht Etwas »in die Unrechte Kehle«.
Das rechte falsche Stimmband ist beträchtlich verdickt und von sehr unregelmässiger, rundlichhöckeriger Oberfläche. Das linke falsche Stimmband hat ebenfalls eine narbige, höckerige Oberfläche. und überdies einen an seinem inneren Rande. so dass man einen grossen Theil des verhältnissmässig normalen wahren Stimmbandes linkerseits übersieht, während rechterseits das hinten tiefausgezackte wahre Stimmband fast ganz von dem falschen verdeckt wird. Die übrigen Schleimhautparthien, namentlich das rechte Lig. ary-epigloUicum zeigen vielfache Substanzverluste und narbige Stellen. Dass bei einem solchen Zustand der Kehlkopftheile von der Bildung einer tonerzeugenden, regelmässigen Stimmritze keine Rede sein kann, versteht sich von selbst. Bei dem Versuche, einen Ton hervorzubringen, legen sich nicht nur die wahren. sondern auch die falschen Stimmbänder aneinander. und die Luft strömt zwischen denselben nur mit einem zischenden Reibungsgeräusch hervor.
tiefen Substanzverlust
Fünfter Fall.
F. M.. 41 Jahre alt. Polizeidiener, aus Krumau in Böhmen gebürtig. leidet seit mehr als 10 Jahren an verschiedenen secundären Formen der Syphilis. Schon im J. 1843 verlor Patient unter Schmerzen im Kehlkopf seine Stimme. Die am 22. Januar 1859 auf Veranlassung des Herrn Rrof. v. Balassa von mir vorgenommene laryngoskopische Untersuchung ergab, dass der. vordere membranöse Theil des rechten wahren Stimmbandes sichelförmig retrahirt erscheint, wenn der Proc. vocal is nach einwärts gestellt ist. während das falsche Stimmband dieser Stelle beträchtlich angeschwollen ist, gegen das Lumen des Larynx vorspringt und ersteres fast ganz deckt. Linkerseits sind die Stimmbänder hinsichtlich ihrer Beschaffenheit und Lagerung wesentlich normal. Der durch seinen Schleimhautüberzug gelblich hindurchschimmernde Knorpel des Kehldeckels zeigt rechterseits eine Auskerbung, welche ich jedoch nicht für pathologisch halten kann, da Aehnliches unter völlig normalen Verhältnissen beobachtet wird.