﻿Der Kehlkopfspiegel.	589
gehabt. Der Güte dieses letzteren verdanke icli auch die folgende Krankengeschichte.
»F. S., Student, 18 Jahre alt, hat schon als Knabe von 4 Jahren an Ohrenfluss an beiden Seiten gelitten, welcher bis zum Alter von 15 Jahren sich fast jedes Jahr oder wenigstens jedes andere Jahr erneuert haben soll. Sein hier lebender jüngerer Bruder ist ebenfalls in Folge von Ohrenfluss schwerhörend geworden und ein noch ganz junger Knabe zu Hause soll auch an Ohrenfluss leiden.)
Vor 2*/2 Jahren bekam ich den Patienten zum ersten Mal zu Gesicht , da er angeblich in Folge eines Kopfsprunges in der Schwimmschule sich heftige Ohrensehmerzen zugezogen hatte. Es waren Erscheinungen von Dermoid-Entzündung des Meat. and. extern, in der ganzen Ausdehnung und Mitleidenschaft des Trommelfells vorhanden, die jedoch einem kurzen Aufenthalte im Zimmer, einer localen Blutentziehung und antiphlog. Regime alsbald gewichen sind. Sechs Wochen später kam Patient mit Récidivé zu mir, die heftiger auftrat, mit Schmerzen und Ohrensausen verbunden war und desswegen die Application eines mit Tart. einet, versetzten Zugpflasters noting machte. Hierauf nahmen die Erscheinungen'bald ab und verschwanden allmählich , unless die künstliche Geschwürfläche auf dem Proc. mast, heilte und eine bleibende Hautnarbe zurückliess. Seit jener Zeit hatte Patient keinerlei Ursache, über sein Ohr zu klagen.
«Da ich von der Tante desselben aber hörte, dass der junge Mensch seit längerer Zeit sichtlich schwerhörig sei, so untersuchte ich sein Gehör und fand folgende Erscheinungen : Die schlagende Uhr wird von den Kopfknochen aus beiderseits gut gehört, wenn die Meatus hermetisch verstopft sind: bei offenem Gehörgange jedoch wird die Uhr rechts auf starke 4", links nur auf 2" deutlich vernommen. Mittels Speculum erscheint das Trommelfell auf beiden Seiten fast gleich ; mit Ausnahme einer unbedeutenden Transparenz-Verringerung, die aber rechts wie links vorhanden, ist dasselbe vollkommen normal. Das Zäpfchen erscheint kürzer als gewöhnlich und weicht etwas nach rechts ab. die Mandeln sind ein klein wenig mit geschwellten Follikeln versehen. vielleicht links etwas mehr als rechts. Die hintere Rachenwand ist mässig geschwellt und Streifen schaumigen Schleims darauf sichtbar. Beim VALSALVA’schen Versuch fühlt Patient rechts die Luft in starkem Strome in die Trommelhöhle dringen und das Trommelfell aufblasen, während er links das Einströmen der Luft anfangs gar nicht, nach wiederholten und mit verstärkter Kraft unternommenen \ ei suchen wohl hie und da deutlich empfindet, aber angibt, dass hier bloss bei grösserer Anstrengung und auch dann nur wenig Lutt in die 1 rommel-