XLIII.

Ueber die Sprache bei luftdichter Verschliessung  des
Kehlkopfes.
[Wiener akademische Sitzungsberichte /859.]






	Die Untersuchung der Leistungen abnormer Sprachorgane ist in
mehrfacher Hinsicht interessant, indem pathologische Vernderungen
derselben zuweilen nicht nur Aufschluss geben ber die Bedeutung
mancher Theile fr die Hervorbringung gewisser Sprachlaute, sondern
auch ber das eigentliche Wesen mancher Laute, so wie ber die Art
und Weise, in welcher unmglich gewordene Laute unter Zuhilfenahme
ungewhnlicher Mittel mehr oder weniger erfolgreich ersetzt werden
knnen.
	Ich erinnere in dieser Beziehung an BRCKE'S Beschreibung der
Sprache eines Mdchens, welches den weichen Gaumen durch Syphilis
vollstndig verloren hatte, ohne sonstige Zerstrungen und Vernde-
rungen der Sprachorgane erlitten zu haben 1, ferner an das von mir
beschriebene Gegenstck dieses Falles bei einem Mdchen, dessen
Gaumensegel mit der Rachenwand vollstndig, d. h. luftdicht ver-
wachsen war 2).
Im Folgenden theile ich einen neuen hierher gehrigen Fall mit , in




	1 BRCKE: Nachschrift zu Professor KUDELKA'S Abhandlung". Sitzungs-
berichte der k. Akademie der Wissenschaften in Wien, 1858.
2 Nr. XLI.
	3 Dieser Fall betrifft ein lsjhriges intelligentes Mdchen an welchem Herr
Prof. v. BALASSA im October 1858 in Folge der Aufforderung des ordinircnden
Arztes Dr. PORGES die dringend indicirte Laryngotomie mit glnzendem Erfolge
ausgefhrt hatte. Spter habe ich die Patientin mit dem Kehlkopfspiegel, 
sowohl
durch den Rachen, als nach einem neuen Verfahren durch die laryngotomische
Oeffnung hindurch untersucht und den Sitz und die Art des Larynxverschlusses
ermittelt. Vergl. Wiener Med. Wochenschrift: Beitrge zur Laryngoskopie.
1S5. Nr. 10 U. f. und Ni. XLII.
