	Ueber die Sprache bei luftdichter Verschliessung des Kehlkopfes.	99

welchem bei v oil stn dig er Verschliessung des Larynx unmittelbar
unterhalb der Glottis, also bei gnzlichem Mangel an Stimme und In-
so wie Exspirationsluftstrom in den Sprachorganen eine, wenn auch
unvollkommene, doch hinreichend verstndliche Spraclilautbildung zu
Stande gebracht wird. Es versteht sich von selbst, dass die Respira-
tion des betreffenden Individuums durch eine knstlich angelegte Oeff.-
nung La.ryngotomie) unterhalb der Verschlussstelle des Larynx ge-
sichert ist.
	Dass die Sprache unter so bewandten Umstnden in einem vllig
lautlosen Lispeln besteht, war natrlich sicherer zu erwarten, als dass
sie berhaupt mglich ist und sogar noch aus einiger Entfernung recht
gut wahrgenommen wird. Die Mglichkeit einer Sprachlautbildung
beruht hier, im Allgemeinen, selbstverstndlich nur auf der geschickten
Benutzung Verdnnung und Verdichtung) der geringen Menge der in
Pharynx und Mundhhle eingeschlossenen atmosphrischen Luft und
jener Gerusche, welche bei den blossen Articulationsbewegungen der
Sprachorgane entstehen in Folge der Verschiebung, Berhrung und
Trennung der in Contact kommenden mit zher Flssigkeit befeuch-
teten Sehleimhautoberflchen.
	Aus letzterem Grunde wird es auch begreiflich, warum gewisse
Laute, welche in diesem Falle fr sich allein ganz oder fast ganz
unmglich geworden sind, im Flusse der Artieulationsbewegungen
mehr oder weniger deutlich zum Vorschein kommen oder doch durch
hnliche Laute ersetzt werden.
	Ich lasse nun die Beobachtungen und Bemerkungen ber die ein-
zelnen Sprachlaute folgen, wobei ich BRcCKE'S classisehe Grundzge
der Physiologie und Systematik der Sprachlaute, Wien, 
Gerold 1 856,
zu Grunde lege.






I Kehikopflaute und Vocale.
	Da, vie bereits erwhnt, der Larynx unserer Patientin unmittel-
bar unterhalb der Glottis luftdicht verschlossen ist, so kann dieselbe
weder einen lauten Ton, noch die eigentliche Flsterstimme hervor-
bringen, ja berhaupt keine Spur von Luft durch den Kehlkopf hin-
durchtreiben, wie ich mich mittels der Spiegelprobe 1) berzeugt habe.
	Es sind fr die Patientin daher auch die verschiedenen h-Laute
eben so unmglich geworden wie die Vocale, wenn dieselben fr
si eh allein hervorgebracht werden sollen. Nur der i- Laut macht
Nr. XL.
