00	lieber die Sprache bei luftdichter Verscliliessirng des Kehlkopfes.


hier insofern eine Ausnahme, als er passend durch das Reibungs-
gerusch des j ersetzt wird.
	Im Flusse der Articulationsbewegungen jedoch kommen verschie-
dene Gerusche, in Folge der Durehbrechung, Lsung und Herstellung
eines Verschlusses oder in Folge der Reibung der durch Verdichtung
oder Verdnnung in Bewegung versetzten Luft an verengten Stellen
des Mundcanals, zu Stande, von denen die einen besonders
schwache, unentschiedene Reibungsgerusche im hintersten Articula-
tionsgebiete die h-Laute ersetzen, die anderen aber den eigen-
thmlichen Charakter der einzelnen Voeale ganz deutlich an sich
tragen.
	Fr die Theorie der Vocale scheint es mir nicht unwichtig, dass
bei unserer Patientin fast jedwedes im Mundcanal erzeugte Gerusch
- je nach der Stellung der Sprachorgane fr einen bestimmten
Vocal - den specifischen Charakter dieses Vocals sofort unverkennbar
annimmt.
	Dass dies brigens keine ausnahmsweise Erscheinung sei, davon
berzeugt man sich leicht an sich selbst, wenn man bei angehaltenem
Athem und fest verschlossenem Larynx, also nur unter Mitwirkung
der im Mund enthaltenen Luft, z. B. pa, pe, p1, po, pu, - to, te, ti, to, tu,
- so, Se, Si, SO, su . . . etc. zu sprechen versucht. Man wird finden,
dass das nachhallende Gerusch der Verschlusslaute, Reibungslaute etc.
das Timbre der intendirten Vocale vollkommen deutlich annimmt.
	Ja es gelingt sogar, dem Schalle, welchen man durch Klopfen mit
einem festen Krper auf die Zhne hervorbringt, bei geeigneter Mund-
stellung einen mehr oder weniger deutlichen vocalisclmen Charakter
aufzudrcken.
	Es sei mir erlaubt, eine beilufige Bemerkung ber die Natur der
Vocale hier einzuschalten.
	Bekanntlich hat R. WILLIs zuerst einen wichtigen Beitrag zur
theoretischen Lsung des Problems der Vocalbildung gegeben, welcher
im Wesentlichen darauf hinausluft , dass mit lauter Stimme hervor-
gebrachte Vocale durch Combination primrer und secundrer Pulsa-
tiouen oder Schwingungen entstehen, von denen die ersteren die
musikalische Hhe des Tones, die letzteren - indem ihre Zahl von I
bis zum u immer geringer wird -die Qualitt des Vocals veranlassen.
Im menschlichen Sprachorgan ist die Schwingungszahl der ersteren
wesentlich durch die Spannngsverhltuisse der Stimmbnder, die
Periode der letzteren durch die Verlngerung, Verkrzung und durch
die anderweitigen Gestaltvernderungen des Ansatzrohres (Rachen
und Mundhhle, gegeben und bedingt.
