﻿tilg Kleine Mittheilungen aus dem k. k. physiologischen Institute in Pest.
24 Stunden nach dem Tode untersuchten Augen keine entschiedene Atropinwirkung beobachtet werden konnte.
Die Pupille erweiterte sich zwar in a 11 e n Fällen nach Ausschneidung des Spincters allmählich ziemlich bedeutend, allein — mit Ausnahme des 1 Stunde nach dem Tode untersuchten Falles — wurde die Pupille des mit Atropin behandelten Auges weder weiter als die des mit reinem Wasser behandelten Auges, noch geschah die Erweiterung rascher.
Auch die übrigen (bei den möglichst kurze Zeit nach der Decapitation angestellten Versuchen) beobachteten constanten Verschiedenheiten im Aussehen des künstlichen, durch die Entfernung des Sphincters ausgeschnittenen Pupillenrandes und der Iris selbst, waren nur in dem einen Falle einigermaassen ausgeprägt.
Um in dieser Beziehung ganz sicher zu gehen, habe ich sämmt-liche Objecte dieser Versuchsreihe meinem Freunde Dr. Hirschlek, welcher diesmal verhindert war sich an den Versuchen selbst zu betheiligen und daher als ganz unbefangen betrachtet werden konnte, vorgelegt, damit er durch die blosse Besichtigung herausfinde, welche Augen mit Atropin und welche mit blossem Wasser behandelt worden waren.
Bei dem 1 Stunde nach dem Tode untersuchten Kaninchen be-zeichnete er augenblicklich und mit voller Entschiedenheit richtig das mit Atropin behandelte Auge. In allen übrigen Fällen machte er hingegen schwankende und meist unrichtige Angaben, weil er nur auf gut Glück rathen konnte.
Hiermit ist nun zwar die Beizung des Dilatators durch Atropin nicht streng erwiesen, man darf dieselbe aber wohl mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als die begründetste Erklärung der bekannten Thatsaeken annehmen.
Alles wohlerwogen, komme ich zu dem Schluss, dass das Atropin in die Reihe der chemischen Muskelreize zu stellen, und seine specifische Wirkung auf die Iris wesentlich von diesem Standpunkt aus zu erklären ist.
Um sich übrigens das Paradoxe der anscheinend ganz entgegengesetzten Atropin Wirkung auf identische Muskelbündel, wie Sphincter und Dilatator iridis einigermaassen zurechtlegen zu können, möchte wohl vor Allem daran zu erinnern sein, dass die Elemente des Sphincters, nach Kölliker’s richtiger Angabe, denn doch — abgesehen von ihrer gröberen Anordnung — selbst in histologischer Beziehung, sowohl hinsichtlich ihres Habitus als hinsichtlich ihrer leichteren Dar-stellbarkeit, mancherlei Abweichendes von jenen des Dilatators er-