618 Kleine Mittheilungen aus dem k. k. physiologischen Institute in Pest.


24 Stunden nach dem Tode untersuchten Augen keine entschiedene
Atropiuwirkung beobachtet werden konnte.
	Die Pupille erweiterte sieh zwar in alien Fllen nach Aussehnei-
dung des Spineters allmhlich ziemlich bedeutend, allein - mit Aus-
nahme des 1 Stunde nach dem Tode untersuchten Falles - wurde die
Pupille des mit Atropin behandelten Auges weder w eiter als die des
mit reinem Wasser behandelten Auges, noch geschah die Erweite-
rung rascher.
	Auch die brigen (bei den mglichst kurze Zeit nach der Deca-
pitation angestellten Versuchen) beobachteten eonstanten Verschie-
denheiten im Aussehen des knstlichen, durch die Entfernung des
Sphineters ausgeschnittenen Pupillenrandes und der Iris selbst, waren
nur in dem ein en Falle eiuigermaassen ausgeprgt.
	Um in dieser Beziehung ganz sicher zu gehen, habe ich suimt-
liehe Objeete dieser Versuchsreihe meinem Freunde Dr. HIrscHLER,
welcher diesmal verhindert war sieh an den Versuchen selbst zu be-
theiligen und daher als ganz unbefangen betrachtet werden konnte,
vorgelegt, damit er durch die blosse Besichtigung herausfinde,
welche Augen mit Atropin und welche mit blossem Wasser behandelt
worden waren.
	Bei dem 1 Stunde nach dem Tode untersuchten Kaninchen be-
zeichnete er augenblicklich und mit voller Entschiedenheit richtig das
mit Atropin behandelte Auge. In allen brigen Fllen machte er
hingegen schwankende und meist unrichtige Angaben, weil er nur auf
gut Glck rathen konnte.
	Hiermit ist nun zwar die Reizung des Dilatators durch Atropin
nicht rcrg crwicecn, man darf dieselbe aber wohl mit berwiegender
Wahrscheinlichkeit als die begrndetste Erklrung der bekannten
Thatsaehen annehmen.
	Alles wohlerwogen, komme ich zu dem Schluss, dass das
Atropin in die Reihe der chemischen Muskelreize zu
stellen, und seine speeifisehe Wirkung auf die Iris
wesentlich von diesem Standpunkt aus zu erklren ist.
Um sieh brigens das Paradoxe der anscheinend ganz entgegen-
gesetzten Atropinwirkuug auf identische Muskelbndel, wie Sphincter
und Dilatator irk/is einigermaassen zurechtlegen zu knnen, mchte
wohl vor Allem daran zu erinnern sein, dass die Elemente des Sphine-
tcrs, nach KLLTKER's richtiger Angabe, denn doch - abgesehen von
ihrer grberen Anordnung - selbst in histologischer Beziehung, so-
wohl hinsichtlich ihres Habitus als hinsichtlich ihrer leichteren Dar-
stellbarkeit, mancherlei Abweichendes von jenen des Dilatators er-
