﻿024 Ueber die entoptisclie Wahrnehmung der Stäbchen- und Zapfenschicht.
eine mittlere Drehungsgeschwindigkeit erlangt hat — im Bereiche des directcn Sehens [Macula lutea) die liier sehr feinen Viereckchen der PuRKYxÈ’schen Schachbretfigur allmählich einer scharfgezeichneten regelmässigen Mosaik von kleinen runden Scheibchen Platz machen.
Die Scheibchen stehen dicht gedrängt und lassen nur ganz schmale Zwischenräume oder Trennungslinien zwischen sich ; crstere sind von geringerer, letztere von grösserer Helligkeit.
Das Auftreten dieser Mosaik wird durch Anstrengung der Augen zum Nahesehen begünstigt. Das mit dieser Mosaik erfüllte Feld ist zuweilen unregelmässig begrenzt, zuweilen hat es die Form einer liegenden Raute ; es wechselt Umriss und Ausdehnung wie beim Wettstreit der Sehfelder. Die Scheibchen, welche die Mosaik zusammensetzen, erscheinen stets unter einem grösseren Gesichtswinkel als dem Durchmesser der Zapfen am gelben Fleck entspricht, auch ist unter verschiedenen Umständen die scheinbare Grösse der Scheibchen bald grösser, bald kleiner; nichts desto weniger wird aber Jeder, der diese Beobachtung selbst einmal gemacht hat und das mikroskopische Flächenbild der Zapfen und Stäbchen kennt, die dichtgedrängten runden Scheibchen im Bereiche des directen Sehens (Macula lutea:, wo bekanntlich nur Zapfen Vorkommen, sogleich für ein mehr oder weniger v e r g r ö s s e r t e s Bild der Zapfen mos a i k des gelben Fleckes erklären vgl. die Abbildungen in Ecker’s leones'.
Durch welche besondere Lichtreflexion oder Brechung dieses bald stärker, bald schwächer vergrösserte deutliche Bild der Zapfenmosaik entsteht und auf die am schärfsten empfindende Elementarschicht der Netzhaut geworfen wird, oder welche besondere Zustände der Empfindlichkeit die Retina zur Wahrnehmung der Zapfenmosaik befähigen u. s. w. ist vorläufig nicht anzugeben.
Jedenfalls aber gehört die Stäbchen- und Zapfenschicht der Retina zujenenBestandtheilcndesAuges, welche einerseits eigenthümliche entoptisclie Erscheinungen Purkynè’s Lichtschattenfigur veranlassen können und welche anderseits unter Umständen zum Theil selbst als »leuchtende Binnenobjecte« die beschriebene Scheibenmosaik der Zapfen deutlich w a h r g e n o m m e n w erden.
Schliesslich bemerke ich noch, dass Purkyne auch beim nachhaltigen Druck auf das Auge und bei raschen Entladungen einer Volta’-schen Säule durch das Auge, die Gestalten seiner Lichtschattenfigur hervorrufen konnte.
Pest im Juni 1860.