﻿()22 Ueber die entoptiselie Wahrnehmung der Stäbchen- und Zapfensohieht.
Während der vierzig Jahre, die seit dem ersten Erscheinen der citirten Dissertation verflossen, haben wenige Forscher eine Veranlassung gehabt und die Mühe aufwenden wollen, die meist anstrengenden und zum Theil die Gesundheit des Sehorgans gefährdenden subjectiven Sehversuche Purkynes zu wiederholen und zu erweitern, und jenes phantastische Reich des subjectiven Sehens aus eigener Anschauung genauer kennen zu lernen: — ja selbst die Beschreibung einzelner dieser Erscheinungen ist in die wenigsten Lehrbücher der Physiologie aufgenommen worden.
Erst in der neuesten Zeit hat man wieder versucht, manche dieser Erscheinungen zu studiren und physiologisch zu verwerthen.
Ich erinnere an die sinnreiche Anwendung, welche H. Müllek von der sogenannten » Aderfigur « gemacht hat. um die Netzhautelemente zu finden, welche die Lichtperception eigentlich vermitteln : an die kostbaren Daten über die Geschwindigkeit des Capillarkreislaufes des Menschen, welche Vierokdt durch Beobachtung des entoptisch »sichtbaren Blutumlaufes im Auge« zu erhalten wusste und endlich an meine eigenen Bemühungen aus der Erscheinung des »Accommoda-tionsphosphens« gewisse Momente des Accommodationsmechanismus zu erläutern.
Es sei mir erlaubt. hier eine vorläufige Mittheilung über einen neuen Versuch dieser Art zu machen, und jene zierliche Erscheinung, welche Pukkyxe 1. c. 8. 10 unter dem Namen der »Lichtscluittenfignr« des Auges beschreibt und abzubilden versucht, der Beachtung der Physiologen zu empfehlen.
Wird das Auge in raschem Wechsel erhellt und verdunkelt, so füllt sich alsbald das ganze Gesichtsfeld mit einer überaus zierlichen schaclibretartigen Zeichnung von lichten und schattigen viereckigen Felderchen, welche von der Peripherie gegen das Centrum an Grösse ab und an Schärfe zunehmen. Auf dieser »primären« Zeichnung erscheinen dann in wechselnder Folge »secundäre« Gestalten der »Ächtstrahl«, das »Schneckenrechteck« u. s. w. . deren Beschreibung 1. c. nachzusehen ist, da icji hier nur die »primären« näher betrachten will.
Um die äussere Bedingung der Erscheinung bequem zu beherrschen. gebrauche ich eine grosse Pappscheibe, welche nahe am Rande in gleichen Abständen von etwa 3 Zoll, eine einfache Reihe von 12 länglich viereckigen Oefi'nnngen 8 Linien Höhe, 4 Linien Breite trägt und um eine horizontale Axe leicht gedreht werden kann.
Den Versuch stellte ich so an. dass ich mit den Augen durch die Oeftnungen der in rasche Rotation versetzten Pappscheibe in den Himmel oder in eine nahe vors Gesicht gesetzte Milchglasglocke einer