Zur objeetiven Erklrung einiger sog. subjeetiven Gesiehtserseheinnngen. 637

	So wie die von BERGMANN errterten Consequenzen nur fr Gitter
von ganz bestimmten relativen Dimensionen gelten, eben so treten die
primren Felderehen der Liehtsehattenfigur nur bei einer bestimmten
Rotationsgeschwindigkeit der Scheibe auf.
	Ich habe gefunden, dass man eine Scheibe mit weniger Spalten
in! Allgemeinen schneller drehen msse als eine solche mit mehr Spal-
ten, um die Erscheinung zu erzengen, und dass, wenn man eine und
dieselbe Scheibe in zu schnelle und zu langsame Rotation versetzt,
keine Spur derselben zu Stande kommt. Im ersten Falle erscheint das
Gesichtsfeld als eine ungefleckte graue Flche, im zweiten Falle sieht
man einfach den Ortswechsel der durchbrochenen und undurchbrochc-
neu Stellen der vor den Augen rotirenden Scheibe.
	Ausser der eben gegebenen allgemeinen Erklrung, war u in b ei
der bekannten Nachdauer des Lichteindruckes eine mit
Spalten versehene, mit bestimmter Geschwindigkeit
rotircndc Pappscheibe, hnlich dein feinen BERGMANN'-
sehen Gitter aus weissen und schwarzen Stben, eine
objective, gruppenweise wechselnde Vertheilung von
Hell und Dunkel in den musiviseh angeordneten Ele-
menten der Zapfen-Stbehensehieht bedingen knne
und msse, lsst sieh fr jetzt wohl keine speeiellere Ableitung der
primren Erscheinung der Liehtsehattenflgur geben.
	Namentlich drfte es bei der Unkenntniss der speciellen Anord-
nung und Form der lichtempfindenden Seheinheiten nicht leicht mg-
lich sein zu deduciren, warum die primren Formen der Liehtsehatten-
figur gerade als viereckige Felderehen imponiren.
	Gerade in dieser Richtung liegt aber fr die weitere Forschung
eine in anatomisch-physiologischer Beziehung wichtige und interes-
sante Aufgabe, welche der  Lichtschattenfigur e eine unverkennbare
wissenschaftliche Bedeutung sichern und dieselbe vor der Gefahr,
wieder in Vergessenheit zu gerathen, schtzen drfte.
	Eine genauere Ableitung des Details dieser Erscheinung scheint
namentlich einige Anhaltspunkte zur Entscheidung der offenen Frage
zu versprechen, ob die Zapfen allein oder zum Theil auch die Stbehen
die eigentlichen lichtempfindenden Elemente und Seheinheiten der
Retina sind?
	Dass aber die angedeutete objective Erklrung wesentlich richtig
sei und, dass die Erscheinung nicht etwa auf einem rein subjeetiven,
durch den raschen bloss zeitlichen Wechsel von Erhellung und
Verdunkelung der Se1i sinnsubstanz hervorgerufenen Vorgang beruhe,
wird wohl von Niemandem mehr bezweifelt werden.
