636 Zur objectiven Erklrung einiger sog. subjectiven Gesichtsersebeinungen.

wenn ein solches Bild berhaupt scharf genug erschiene, um so analy-
sirt werden zu knnen, jeden Strich allmhlich seiner Lnge nach aus
der einen in die andere Nuance bergehen sehen und jedesmal, wo
ein Strich seine lichteste Stelle htte, wurden die benachbarten am
dunkelsten sein, und umgekehrt)).
	BERGMANN hat einen solchen Fall 1. c. 5. 102 durch ein in Zahlen
ausgefhrtes Beispiel belegt. Die Breite der Stbe und Zwischen-
rume war nicht gleich der Hlfte des Durchmessers eines Sechseckes
angenommen. sondern jeder Stab und jeder Zwisehenraum deckte
17 /32 eines Sechseckes, so dass also auf einer Reihe von siebzehn Sechs-
ecken scehszehnmal Weiss und seehszehnmal Schwarz abwechselnd
sich abbilden musste.
	Aus der Rechnung ergab sieh, dass unter den gemachten Voraus-
setzungen dunklere und hellere Stellen entstehen mssen,
welche sowohl nach Lnge als quer mit einander ab-
wechseln.
	Hiermit erscheint lair nun im Allgemeinen das Rthsel gelst,
wie die musiviseh angeordneten lichtempfindenden Elemente der
Zapfen- und Stbchenschicht die primren schachbretartigen Felder-
ehen der Lichtschattenfigur zu erzeugen im Stande sind, wenn sie
durch die Spalten der rotirenden Pappscheibe im Vortibcrgleiten er-
hellt werden.
	An der linearen Lichtsehattengrenze tier Spalten muss nmlich
nothwendigerweise eine ungleichmssige Vertheilung des Lichtes in den
nach BRCKE katoptrisch und lichtsondernd wirkenden Elementen der
Zapfen- und Stbchensehieht, nach einem bestimmten mit ihrer Anord-
nung zusammenhngenden Gesetze, objectiv stattfinden.
	Bei dem Fortgleiten der hellen Spaltenbilder ber die Retina muss
sich ferner diese objective ungleichmssige Vertheilung von Hell und
Dunkel ber das ganze Sehfeld verbreiten; und, indem die Liehtein-
drcke eine messbare Zeit nachwirken, so wird endlich, je nach der
Rotationsgeschwindigkeit der Scheibe, der Breite und Anzahl der Spal-
ten etc., ein Beharrungszustand erzeugt, durch welchen diese ob -
j ectiven Erhellungsdifferenzen subjeetiv zur Wahrnehmung
kommen.
	Eine Anwendung der von BERGMANN errterten Verhltnisse auf
unseren Fall darf man sieh um so eher erlauben, als eine mit Spalten
versehene rotirende Scheibe gewissermaasscn auch als ein Gitter von
dunklen und hellen Streifen, deren Breite von der Breite und Anzahl
der Spalten und von der Rotationsgeschwindigkeit der Scheibe ab-
hngt, betrachtet werden kann.
