644 	Das Myochronoskop.


Zwecke hergerichtet, dessen Handhabung bequemer ist als jene der
Wippe mit dem Contactstbeheu.
	Ferner traf ich, behufs der Demonstration der endlichen Fort-
pflanzungsgeschwindigkeit der Nervenerregung vermittelst des Myo-
chronoskops die Einrichtung, die beiden Nerven N1 N2 genau gleich-
zeitig durch einen und denselben elektrischen Reiz in Erregung zu
versetzen, doch so, dass die erregte Stelle des einen Nerven mglichst
nahe am Muskel, jene des andern Nerven mglichst entfernt vom
Muskel zu liegen kommt; damit die gesetzte Erregung in dem ersten
Nerven eine krzere, in dem zweiten eine lngere Wegstrecke zu
durchlaufen habe, bevor sie bis zum Muskel gelangen und diesen zur
Zuckung veranlassen kann: wodurch der Beginn der einen Muskel-
zuckung - alles brige gleichgesetzt - gerade um so viel spter er-
folgen muss, als die Erregung Zeit braucht, um sieh durch eine Nerven-
strecke hindurch fortzupflanzen, welche der messbaren Differenz der
beiden Innervationsbahnen an Lnge gleichkommt.
	Zu diesem Ende wird die Leitung fr den reizenden Strom der
Sule (oder seeundren Inductionsspirale( A folgendermaassen ver-
zweigt. Der Draht a spaltet sieh in die Zweige  und y, der Draht y
in die Zweige 5 und e, deren Enden, wie aus Fig. 1 ersichtlich, mit
gleicher Spannweite an die Nerven angelegt sind. Der reizende Strom
wird somit gleichzeitig und in derselben Richtung N1 bei x (nher am
Muskel:, N2 bei y (entfernter vom Muskel) erregen mssen. Eine
zweite eben solche Leitung (in Fig. I durch punktirte Linien ange-
deutet( fhrt den reizenden Strom zu den Strecken x' und y', wenn der
Bgel des Commutators W1, aus welchem das Kreuz ausgenommen
worden ist, umgelegt wird. Diese Einrichtung ermglicht nach Belie-
ben entweder in N1 die dem Muskel nhere und in Nj die vom Muskel
entferntere Stelle, oder umgekehrt in Nj die nhere und in N1 die ent-
ferntere zu erregen.
	Liegt nun die Wippe 11'I, wie in Fig. 1, so wird N1 bei x (nher
am Muskel(, N2 bei y (entfernter vom Muskel'! erregt; in Folge der
endlichen Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Nervenerregung beginnt
die Zuckung des Muskels il frher, als die des Muskels '2; der Con-
tact bei c wird also frher unterbrochen als der bei d; und der ehrono-
skopisehe Strom findet, ehe der Contact bei d durch die etwas spter
eintretende Zuckung des Muskels Nj unterbrochen wird, Zeit genug,
um am Muskeltelegraphen ein weithin sichtbares Signal auszulsen.
	Beilufig bemerkt, dauert der chronoskopisehe Strom genau so
lang als der Contact il spter als der Contact c aufgehoben wird,
und knnte daher auch zur quantitativen Bestimmung dieses
