	Das Myochronoskop.	647

	Eine Demonstration der endlichen Fortpflanzungsgeschwindigkeit
der Nervenerregung vermittelst des Myoehronoskops habe ich zum
ersten Male am 15. Mai, dann am 26. und 27. Juni 1. J. im hiesigen
physikalischen Universittslaboratorium, dessen Benutzung mir von
Herrn Prof. PIERRE in eollegialster Weise gestattet wurde, versucht.
	Die zum Versuch verwendeten Frsche waren frisch eingefangen
und sehr reizbar.
	Die Differenz der beiden myopolaren Nervenstreeken betrug das
erste Mal nur 22 mm (was einem Zeitintervalle von etwa 0.0008 Se-
cunden entspricht, die Nervenleitungsgesehwindigkeit zu 26 . 4 mm in
der Seeunde angenommen), das letzte Mal hingegen an 40 mm.
	Die Spannweite der Platinelektrodenpaare betrug je 3 5 mm.
Die Reizung wurde immer durch Schliessung eines sehr schwachen
nur Schliessungszuckung auslosenden, iui Nerven absteigend gerichte-
ten Kettenstromes bewerkstelligt.
	In der Leitung des ehronoskopisehen Stromes, welcher durch ein
Rheoehord abgestuft werden konnte, zwischen den Punkten a und h,
Fig. 1, wurde ein bedeutender Widerstand in Form einer langen, dn-
nen, mit Knpfervitriollsung gefllten Glasrhre eingeschaltet, nm den
Zweigstrom in der Leitung zum Muskeltelegraphen bei vorhandener
Nebensehliessnng durch den Hebel if1 zur vlligen Wirkungslosigkeit
abzuschwchen.
	Der Erfolg.der fast eine Stunde lang fortgesetzten Versuche war
bei der Subtilitt des Gegenstandes ein so berraschend gnstiger,
dass ich mich schon frher zu einer vorlufigen Verffentlichung (Allg.
med. (Jentralzeitnng, 5. Juni 1861' bestimmt fhlte, nm das Myochro-
noskop, als einen sehr prcis arbeitenden Apparat allen Experimental-
Physiologen, welche in didactisclier Beziehung auf Demonstrationen
ad oculos einiges Gewicht legen, bestens zu empfehlen. Kein gebter
Experimentator wird sieh wohl vergebens bemhen, die zum Gelingen
der beschriebenen Versuche nthigen Bedingungen mglichst gnstig
herzustellen.


Nachschrift vom 29. Juni 1861.

	Beilufig erlaube ich mir noch eines beraus zierlichen, meines
Wissens nirgends beschriebenen Versuches Erwhnung zu thun, wel-
chen ich schon vor einigen Jahren in meinen Vorlesungen zu zeigen
pflegte, zu dessen Anstellung sich aber das Myochronoskop besser
eignet als jene primitive Anordnung, die ich frher brauchte.
