656 	Sphyginische Bemerkungen.


	Um zu entscheiden, ob die VIERORDT'schen oder die MAnEY'schen
Pulseurven der Wahrheit nher kommen, hatte ich schon vor mehr als
zwei Jahren an ein neues sphygmographisches Verfahren gedacht,
welches frei von jedem Einwande die Bewegungen der Arterieuwand
mit vollkommener Genauigkeit verzeichnen sollte.
	Ein solches Verfahren konnte a priori nur in der Benutzung eines
Fhlhebels bestehen, der die folgenden drei Eigenschaften besitzen
musste, nmlich
1. vollkommen gewichtlos zu sein,
2. ohne irgend welche Reibung zu schreiben, und endlich
	3. ohne die geringste Vernderung der natrlichen Verhltnisse
der pulsireuden Arterie an derselben applicirbar zu sein.
	Die Strahlen des Lichtes vereinigen alle geforderten Eigenschaf-
ten, und ich kam daher auf den Gedanken, die Lichtstrahlen gleichsam
als Fhlhebel zu benutzen, deren durch die Lumenvernderungen der
Arterie bedingte Bewegungen  photographisch zu fixiren waren.
	Hinsichtlich der Application der Lichtstrahlen zu dem fraglichen
Zwecke boten sich verschiedene Wege dar.
	Der nah eliegendste fhrte mich zu der Construction des  Puls-
spiegel 5, ber welchen ich zuerst in der Sitzung der Gesellschaft
der praktischen Aerzte in Prag, vom 8. Januar 1862, und dann bei der
Naturforseherversammlung in Karlsbad 'Herbst I 862 vorlufige Mit-
theilungen machte.
	Herr Dr. MAcli in Wien, welcher die Theorie und Construction
des Pulswellenzeichncrs einer sehr grndlichen mathematischen und
experimentellen Untersuchung unterworfen hat, erwhnt meines Puls-
spiegels am Schlusse seiner Abhandlung  ber die Gesetze des Mit-
schwingeus Wiener Sitzber. Bd. XLVII), und dies veranlasst mich,
hier einige weitere Bemerkungen ber optische Sphygmometer oder
Sphygmoskope berhaupt, und ber den Pulsspiegel insbesondere zu
verffentlichen.
	Der Pulsspiegel ist nichts weiter als ein kleiner Planspiegel, der
an eine pulsirende Arterie so angelegt wird, dass er ihren Lumen-
vernderungen, ohne dieselben im mindesten zu beeintrchtigen oder
zu alteriren, mit grsster Prcisiou folgt.
	Die unter einem beliebigen Winkel direct oder von einem verstell-
baren Beleuchtungsspiegel auf denselben fallenden Lichtstrahlen der
Sonne oder einer hinreichend conceutrirteu knstlichen Lichtquelle
werden refleetirt, und knnen zu einem scharfen Liehtbilde gesammelt
werden, welches auf eine entfernte Wand, in einen photographischen
Apparat oder 'unmittelbar in das Auge des Beobachters fllt. Jede
