	Sphygwische Binerkurigen.	657

Bewegung der Artericnwand theilt sich dem Pulsspiegel mit, und wird
in vergrssertein Maassstabe durch das Lichtbild wiedergegeben.
	Handelt es sich bloss um demonstrative Zwecke, so
genUgt es, einen beliebigen kleinen Planspiegel, etwa einen aus der
Fassung gefallenen Kehlkopfspiegel mit dem Finger gegen die pulsi-
rende Arterie leicht anzudrucken und das Lichtbild auf eine entfernte
Wand zu projiciren. Beim Anlegen des Spiegels verfhrt man am
besten so, dass man den Puls zuerst in gewhnlicher Weise aufsucht,
und dann den Band des Spiegels zwischen den tastenden Finger und
die pulsircnde Arterie einschiebt. Es gelingt dann leicht jene Stellung
und Druckrichtung des Fingers zu finden, bei welcher der Spiegel in
deutliche Bewegungen durch die Pulsation der Arterie versetzt wird.
Je nachdem die Arterie diesseits oder jenseits des durch den aufgeleg-
ten Finger fixirten Theiles des Spiegels zu liegen kommt, erhlt man
mit jeder Expansion der Arterie entweder eine Hebung oder eine
Senkung des unbedeckten Spiegeltheiles, welche bei jeder Contraction
von der entgegengesetzten Bewegung gefolgt wird. Das Pulsspiegel-
bild bewegt sich demnach auf der entgegengesetzten Wand whrend
des Ablaufes jeder Pulswelle zuerst nach abwrts und dann nach auf-
w'irts, oder zuerst nach aufwrts und dann nach abwrts. Um aus
dieser einfachen oscillatorischen Bewegung in einer verticalen Linie
eine der VIERORDT-MAREY'schen analoge Pulseurve zu erhalten, habe
ich das vom Pulsspiegel kommende Lichtbild mit einem zweiten Spiegel
aufgefangen, welcher um eine verticale Axe gedreht wurde, und erst
von diesem auf die entfernte Wand fallen lassen. Das Lichtbild be-
wegte sich dann in einer den Pulsationen entsprechenden Wellenlinie
in horizontaler Richtung von einem Ende der Wand zum andern.
	Der einfache Pulsspiegel eignet sich jedoch nicht nur zur Demon-
stration der Pulscurvcn, sondern - wie ich bereits an den angefhrten
Orten angegeben habe - auch zur Demonstration der 
Fortpflanzung
s-
geschwindigke
it der Pulswelle im Arteriensysteme. Ich habe zu diesem
Ende zwei oder mehrere Pulsspiegel gleichzeitig an verschiedene Quer-
schnitte des Systems angelegt, - z. B. den einen an der Art. radialis
oder carotis, den andern an der Art. dorsalis pedis u. 5. w. - und die
hupfenden Lichtbilder, welche man zum Ueberfluss durch vorgehaltene
Glser verschieden frben knnte, neben einander direct auf die Wand
projicirt. Man erkennt dann sehr deutlich, dass die pulsirendcn Be-
wegungen der Lichtbilder merklich ungleichzeitig erfolgen, und dass
immer jene ihre Bewegungen frher beginnen und vollenden, welche
Arterienquerschnittcn anliegen, die dem Herzen nher liegen; 
entspre-chend der 
bekannten Thiatsachie, dass die Pulswelle, vom Herzen aus-
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