﻿694 Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.
den Fühlhebels von relativ ungeheuer grosser Masse aufgab und dafür eine starke, mehr oder weniger gespannte Feder verwendete, deren Bewegungen durch einen möglichst leicht gearbeiteten Schreibhebel vergrüssert und graphisch fixirt wurden.
Während Vierokdt’s Princip, trotz der von demselben Autor zuerst und leidenschaftlich geführten Opposition gegen das Haemodyna-mometer. und der an diesem Instrument gemachten Erfahrungen, nach Dr. Mach’s1) treffender Bemerkung, »vom Standpunkt der Mechanik betrachtet«, genau dasselbe ist, auf welchem das Haemodynamometer beruht; so liegt der MAREY’sehen Feder allerdings ein neuer und glücklicher Gedanke, dessen Priorität übrigens Viekokdt selbst gebührt2), zu Grunde. Dennoch sind die C-urven, welche der Marey’sehe Sphygmograph liefert, wahrscheinlich auch nicht der genaue Ausdruck des Gesetzes, nach welchem die Pulsbewegungen erfolgen.
Die MAREY’sehen Pulscurven weichen von der ViERORPT sdien hinsichtlich zweier Hauptverhältnisse wesentlich ab.
Erstlieh zeigt sich eine im Verhältniss zur Contractionszeit auffallend kürzere Expansionszeit der pulsirenden Arterie und zweitens erscheint an jedem Pulsbilde fast constant ein oft so bedeutender Di-crotismus, dass es Wunder nehmen muss, dass dem Tastsinn selbst in diesen Fällen auch nicht die Spur desselben wahrnehmbar wird.
Die Differenzen in den beiden Pulsbildern beweisen, dass in einer oder in beiden Arten von Sphygmographen, vermittelst welcher die Bilder gewonnen werden, Cardinalfehler der Construction stecken müssen, denn da beide Pulsbilderformen unmöglich gleichzeitig richtig sein können, so kann nur eine derselben richtig sein, wenn nicht etwa beide in grösserem oder geringerem Grade falsch sind.
Der letzte Fall ist unbedingt der wahrscheinlichste. Die Anzeigen solcher Pulswellenzeichner können nämlich den Lumenänderungen der Arterie, wie selbe unter natürlichen Verhältnissen beim Durchgänge der Pulswelle eintreten, wie a priori klar ist, niemals absolut genau entsprechen.
Denn ein nie ganz ohne Reibung schreibender Fühlliebel, von einiger 'selbst bei Maeey’s Instrumente nicht zu vernachlässigender träger Masse wird nothwendiger Weise gewisse Unrichtigkeiten in die ver-zeichnete Curve einführen. Uebcrdies ist die Veranstaltung. durch welche der Fühlhebel den Bewegungen der Arterie zu folgen gezwun-
1	Wiener mcd. Jahrb. 1S02. Heft 4: »Zur Theorie der Pulswollenzoiclincr«.
2	Vierordt's Lehre vom Arterienpuls, S. 36.