﻿Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag. 695
gen wird, weder bei Yierordt s, nocli bei Marey’s Instrument ganz vorwurfsfrei zu nennen.
Während sich bei ersterem der Fühlhebel durch die eigene Schwere an die Arterienwand andrückt und hierdurch in unverändertem Contact mit derselben erhalten werden soll, empfängt die Impulse der Arterie, bei letzterem, zunächst eine starke elastische Feder, welche auf die Arterie drückt, und mit welcher der Fühlhebel durch seine Schwere und den Druck einer zweiten zarteren Feder in Berührung steht.
Um zu entscheiden, ob die ViERORDï’schen oder die MAREY’schen Pulsbilder der Wahrheit näher kommen, hatte ich schon vor mehreren Jahren an ein neues sphygmographisches Verfahren gedacht, welches frei von jedem Einwande die Bewegungen der Arterienwand mit absoluter Genauigkeit verzeichnen sollte. Die erhaltenen, unzweifelhaft wahren Pulsbilder wollte ich dann mit den Vierordt sehen und MAREY’schen vergleichen, um endgiltig über den Werth der beiden letzteren entscheiden zu können.
Ich habe schon a. a. 0. mitgetheilt, dass dieses Verfahren »nur in der Benutzung eines Fühlhebels bestehen könne, der die drei Eigenschaften besitzen müsse, nämlich « :
1.	»vollkommen gewichtlos zu sein«,
2.	«ohne irgend welche Keibung zu schreiben», und endlich
3.	»ohne die geringsten Veränderungen der natürlichen Verhältnisse der pulsirenden Arterie an derselben applieirbar zu sein«.
Ich habe ferner a. a. 0. mitgetheilt, dass ich die Lösung dieser unmöglich scheinenden1: Aufgabe in der »Benutzung der Lichtstrahlen als Fühlhebel« und der sog. instantanen Photographie gefunden zu haben glaube.
Die Strahlen des Lichtes vereinigen in der That alle geforderten Eigenschaften ; sic sind gewichtlös : sie schreiben momentan und ohne jedwede Reibung auf dem hierzu präparirten Collodiumhäutchen eines photographischen Apparates : wird der photographische Apparat so eingerichtet, dass die collodirte Platte durch ein Uhrwerk, wie beim M AREY Schcn Sphygmographen, sich mit gleichförmiger Geschwindigkeit in horizontaler Richtung verschiebt, so müssen die Lichtstrahlen die Curve ihrer Bewegung genau verzeichnen : die Lichtstrahlen sind endlich auch gleichsam als Fühlhebel applieirbar, ohne die natürlichen Verhältnisse der sicht- und fühlbaren Pulsbewegungen der blossgeleg-
1 »Allen unit jeden Einfluss der Trägheit hei den schwingenden Hebelarmen zu eliminiren, das ist freilich, da wir aus Materie unsere Apparate hauen müssen, nicht möglich«. Yierordt, Lehre v. Arterienpuls, S. -io;.