﻿69S Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.
Construction des »Pulsspiegels«, über welchen ich zuerst in der Sitzung der Gesellschaft der prakt. Aerzte zu Prag, vom 8. Jänner 1862, und dann hei der Naturforscherversammlung in Carlsbad Herbst 1862) vorläufige Mittheilungen machte.
Der Pulsspiegel ist nichts weiter als ein kleiner, dünner Planspiegel, der an die pulsirende Arterie so angelegt wird, dass er ihren Lumenveränderungen, ohne dieselben irgendwie zu beeinträchtigen oder zu alteriren, mit grösster Präcision folgt.
Die unter einem beliebigen Winkel direct oder von einem verstellbaren Beleuchtungsspiegel auf denselben geworfenen Lichtstrahlen der Sonne oder einer hinreichend concentrirten künstlichen Lichtquelle werden reflectirt und entwerfen ein Lichtbild, welches auf eine entfernte Wand oder einen Schirm, in einen photographischen Apparat oder unmittelbar in das Auge des Beobachters fällt. Jede Bewegung der Arterienwand tlieilt sich dem Pulsspiegel mit, und wird in vergrös-sertem Maassstab durch das Lichtbild wiedergegeben.
Handelt es sich blos um demonstrative Z w ecke, so genügt es, einen beliebigen kleinen Planspiegel, etwa einen aus der Fassung gefallenen Kehlkopfspiegel, mit dem Finger gegen die pulsirende Arterie anzudrücken und das Lichtbild auf einen Schirm oder die gegenüberliegende Stubenwand zu projiciren.
Beim Anlegen des Spiegels verfährt man am besten so, dass man den Puls zuerst in gewöhnlicher Weise aufsucht, und dann den Band des Spiegels, mehr oder weniger tief, zwischen den tastenden Finger und die pulsirende Arterie einschiebt. Es gelingt dann leicht , jene Stellung und Druckrichtung des Fingers zu finden, bei welcher der Spiegel in deutliche Bewegungen durch die Pulsationen der Arterie versetzt wird.
Je nachdem die Arterie diesseits oder jenseits des durch den aufgelegten Finger fixirten Theiles des Spiegels zu liegen kommt, erhält man mit jeder Expansion der Arterie entweder eine Hebung oder Senkung des unbedeckten Spiegeltheils, welcher bei jeder Contraction der entgegengesetzten Bewegung folgt. Das Pulsspiegelbild auf der Wand bewegt sich demgemäss während des Ablaufs jeder Pulswelle in gerader Linie zuerst nach abwärts und dann nach aufwärts oder umgekehrt.
Um aus dieser einfachen oseillutorischen Bewegung in einer verti-ealen Linie eine der Vierordt - MARKï’sahen analoge Pulscurve zu erhalten, habe ich das vom Pulsspiegel kommende Lichtbild mit einem zweiten Spiegel aufgefangen, welcher sich mit gleichförmiger Geschwindigkeit um eine verticale Axe drehte, und erst von diesem auf die