﻿Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag. 701
Die Arterie kann von dem die Pulsbewegungen zunächst aufnehmenden Theil des Spiegels gut erreicht werden. In dieser Beziehung ist es ein Vortheil, dass die Enden der Gabelarme sich tiefer in die Haut eindrtteken lassen, als der Theil der Unterfläche des Spiegels, durch den die Drehungsaxe geht; denn »Niederdrücken der Haut etwas unterhalb der zum Versuch gewählten Pulsstelle und zwar vermittelst eines constantenDruckes, wobei jede schädliche Spannung der Haut, welche die Arterienbewegung beeinträchtigt, sorgfältig auszuschliessen wäre«, hat Vierordt selbst als ein prüfendes »Auskunftsmittel«, gegen die Schwierigkeiten einer guten und constanten » Applicationsweise des Pulses« angegeben.
Ohne das Umständliche einer nach dem oben mitgetlieilten Plane allerdings nicht unmöglichen photographischen Aufnahme der Curve der Bewegungen der vom Pulsspiegel gelieferten Lichtbilder, ist eine graphische Verzeichnung des Pulses vermittelst dieser Technik freilich kaum zu denken, allein da der Gesichtssinn immer noch ein viel feineres Hilfsmittel ist für Auffassung der flüchtigen Bewegungen des Pulses, als das Getast, so wird man meinem Pulsspiegel gewiss nicht einigen Werth für die mrs sphygmicm absprechen.
Hierzu kommt noch einerseits, dass sich durch einen zweiten um eine verticale Axe rotirenden Spiegel fs. oben) die geradlinigen Oscilla-tionen der Lichtbilder in Form einer Curve auseinander legen lassen, andererseits aber, dass diese äusserst bequeme Technik sich ganz vorzüglich zu Demonstrationen im Hörsaal und auf Kliniken eignet, und zwar nicht nur mehrerer wichtiger Pulsqualitäten, sondern auch anderer Erscheinungen am pulsirenden Arterienrohr (s. unten C, a, S. 703|,
C. lieber die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Pulswellen.
Es ist bekanntlich eine zuerst von Weitbrecht (1734L dann von Liscovius und E. H. Weber, volle hundert Jahre später, beobachtete Thatsache, dass ein- und derselbe Pulsschlag an entlegenen Arterien merklich später wahrgenommen wird, als an Arterien, die weniger weit vom Herzen entfernt sind.
E. H. Weber hat in seinem Programm : »De pulsu, resorptione, auditu et tactu, Lipsiae 1S34« zuerst die richtige physikalische Erklärung der Erscheinung der Pulsverspätung in den Arterien, vom Centrum gegen die Peripherie hin, gegeben und überdies das kleine Zeitintervall, um welches es sich dabei zwischen Art. maxillaris ext. und Art. dorsalis pedis handelt, zu bestimmen versucht.