﻿730 Mittheilungen aus dem physiologischen Pnvatlaboratoriiim in Prag.
Der Versuch, dieses räthselhafte Beobachtungsresultat zu erklären, führte mich zu der Aufstellung des Satzes, dass das Maximum der Elevation der Brustwand durch den Herzstoss mit dem Maximum der Expansion an der Aortenwurzel zeitlich nicht zusammenfällt, sondern ersteres dem letzteren um ein merkliches Zeitintervall vorauseilt.
Man wird dies ganz natürlich finden, wenn man bedenkt, dass die Thoraxwand, welcher das Herz anliegt, in d ein Moment emporgehoben zu werden beginnt, in welchem die Herzmuskulatur durch die systolische Contraction und Spannung anfängt hart zu werden und die Formen und Durchmesser des erschlafften, aber bluterfüllten Herzens, wie sie am Ende der Diastole bestanden, zn ändern.
Das Maximum der Erhebung der Brustwand kann aber nicht mit dem Ende der Systole zusammenfallen, wo das contrahirte und entleerte Herz in allen Dimensionen an Grösse abgenommen hat, sondern vielmehr mit jenem Momente im Verlaufe der Systole, wo das prall-contrahirte und noch gefüllte Herz die grössten systolischen Durchmesser besitzt und den bedeutendsten Druck auf die Brustwand ausübt.
Die grösste Expansion der Aortenwurzel hingegen kommt erst gegen Ende der Systole zu Stande, wenn eben der ganze Ventrikelinhalt in dieselbe eingepresst worden ist, da der Seitenwanddruck sei lange steigt, als Blut aus dem Ventrikel mit hinreichender Geschwindigkeit und Kraft einströmt; dieses Einströmen aber erst mit dem Ende der Systole ganz aufhört.
Das verhältnissmässig grosse Verspätungsintervall zwischen Herz-stoss und Carotispuls steht also in keinem Widerspruch mit meinen übrigen Beobachtungen und Auseinandersetzungen, indem es fast ganz auf Rechnung der Ungleichzeitigkeit der Phasen des Herzstosses und der Phasen der Entstehung der Pulswelle an der Aortenwurzel, und nur zum allergeringsten Theile auf Rechnung der gewiss verschwindend kleinen Verzögerung kommt, welche die Pulswelle auf dein kurzen Wege zur Carotis erfährt.
Ich freue mich schliesslich anführen zu können, dass Maury Physiol, méd. de la eireul. du sang. Paris fSt>3 auf Grundlage seiner directen Versuche mit dem Cardiograpliium an Thieren zu derselben Ansicht über die Beziehung des Herzstosses zur Pulswelle in der Aorta gekommen ist und unmittelbar nachgewiesen hat, dass auch der Beginn der Systole, welche mit dein Beginn des Herzstosses synchron ist. dem Beginn der Pulswelle in der Aorta um ein sehr merkliches Zeitintervall voraneilt S. 190 : »La systole ventriculaire dure donc un certain temps avant, d'acquérir le. degré suffisant pour soulever les valvules sigmoïdes de Vaorte ;