﻿736 Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlahoratorium in Prag.
des Muskels vermittelst eines feinen hakenförmigen Fortsatzes befestigt wird, andererseits auf einem festen Stützpunkt, welcher durch eine passende Abänderung des den Glashaken tragenden Stativarms der Du-Bois’scken Vorrichtung hergestellt wird, ruht und als einarmiger Hebel durch die Zuckungen in Bewegung gesetzt wird.
Das von diesem Spiegelchen in derselben Weise wie bei meinen Pulsspiegelversuchen, auf die Decke oder eine Wand des Hörsaales reflectirte Lichtbild giebt die leiseste Muskelzuckung in vergrössertem Maassstab, allen Anwesenden sichtbar, genau wieder.
c) Verbesserung am Marey'schen Sphygmographen.
Der Schreibhebel des MAREY’schen Sphygmographen ist bekanntlich von Holz und trägt an seinem Ende eine mehre Centimeter lange etwas gebogene Stahlfeder, welche durch ihre Elasticität mit der Spitze
1 Beiläufig will ich hier erwähnen, dass ich schon vor längerer Zeit überhaupt begonnen habe, dieses einfache Hilfsmittel, welches bisher nur hier und da, z. B. bei galvanometrischen und akustischen Versuchen benutzt wurde, in mannigfaltigster Weise für physiologische Zwecke zu verwerthen, um es in der demonstrativen Experimentalphysiologie so zu sagen einzubürgern. Abgesehen von der bereits beschriebenen Anwendung desselben zur Demonstration der Pulse und Muskelzuckungen, leistet es vortreffliche Dienste, um einer grösseren Versammlung z. B. die Wirkung des Vagus auf Herz- und Athemhewegungen oder die Aufeinanderfolge der Zusammenziehung und Erschlaffung der Abschnitte des Herzens während des Ablaufs einer Reihe von Schlägen u. s. w. vorzufiiiiren. Bei blossgelegtem oder ausgeschnittenem Herzen genügt es die Spiegelchen unmittelbar und der Art auf die betreffenden Abschnitte zu legen, dass sie durch die Pulsationen hebelartig auf und nieder bewegt werden und dafür Sorge zu tragen, dass sie sicli nicht verschieben oder herabfallen. Will man den Brustkasten nicht öffnen, so kann man die einzustechenden Nadeln, auf welche sich die Bewegungen der angespiessten Theile übertragen, mit ganz leichten, kleinen Spiegelchen versehen Spiegelnadeln, Nadelspiegelchen,, die Spiegelchen vermittelst einer guten Laterna magica oder des Sonnenlichtes beleuchten und die von denselben reflectirteu Lichtbilder auf eine entfernte Wand werfen.
Am bequemsten und einfachsten ist diese Demonstration des Herzschlages an einem ausgeschnittenen Froschherzen vorzunehmen. Man bringt dasselbe auf eine rauhe Unterlage, damit es sieh nicht so leicht verschiebe, legt zwei leichte länglich viereckige Spiegelchen dazu, schiebt den Rand des einen über die Vorhöfe, den Rand des andern über die Kammer, so dass sie hebelartig durch die Pulsation auf und ab bewegt werden, beleuchtet dieselben, lässt die refleetirten Bilder neben oder übereinander auf eine entfernte Wand fallen—und kann nun halbestundenlang und darüber den Wechsel von Systole und Diastole und die Aufeinanderfolge der Vorhofs- und Kammerbewegungeii an den pulsirenden Spiegelbildern von beliebig vielen Zusehern gleichzeitig beobachten lassen.