﻿Mittheilungen nus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag. 673
Zu meinem grossen Erstaunen konnte ich nun aber an Fröschen, die auf diese Weise befestigt waren, selbst durch sehr starke Dosen der oben angegebenen Curarelösung, welche ich durch eine kleine Wunde am Nacken in den mittleren Rückenhantsack injicirte und seihst nach mehr als stundenlangem Zuwarten keine vollständige Lähmung aller Körpertheile erzielen.
Zwar wurden die Atliembewegungen immer alsbald vollständig sistirt und die stärkste elektrische Reizung des Plexus sacralis oder des -V. ischiailicus bewirkte keine Zuckung der Beine mehr; allein die Füsse und Zehen, die Vorderarme und Finger blieben bis zuletzt — wenn auch in abnehmendem Grade — beweglich.
Nachdem nämlich die Athembewegungen längst aufgehört hatten, konnten immer noch Zuckungen der genannten Theile, durch den Willensimpuls der Tliiere, auf reileotorisebcm Wege und endlich — selbst nach 1—2stündigem Zuwarten — immernoch durch Reizung der motorischen Nervenstämme ausgelöst werden.
Befestigte ich jedoch die Frösche gar nicht oder nur vermittelst dreier ►Schlingen auf das Bretehen. während eines ihrer Hinterbeine frei herabhing, so stellte sich die gewohnte Curarcwirkung im ganzen Körper oder wenigstens in dieser Extremität vollständig und in gewohnter Zeit ein.
Es ergab sich somit die unerwartete Thatsache, dass der gar nicht sehr bedeutende Druck der zugezogenen Bindfadenschlingen — ohne zugleich die Erregbarkeit und Leitungsfähigkeit der Nerven zu beeinträchtigen, — an den angegebenen Stellen der Extremitäten schon eine so bedeutende Circnlationsstörung setzt, dass die abgeschnürten Theile vor der vollständigen Vergiftung durch das Blut überraschend lange Zeit geschützt werden.
Auf diese Thatsache gründet sich mein einfaches und bequemes Verfahren, das Köllikek'scIic Experiment zu demoustriren, welches ich im Folgenden kurz beschreiben will.
Ich befestige einen Frosch vermittelst der Bindfadenschlingen an dreien seiuer Extremitäten auf das Bretehen, während die vierte Extremität, eines seiner Hinterbeine, frei bleibt : dann vergifte ich das Thier durch eine starke, rasch wirkende Dosis Curare bis zu 1 C. C. obiger Lösung' und warte das Eintreten der Vergiftung ab. Dann lege ich die beiden bis dahin unter gleichen Bedingungen befindlich gewesenen Y. ischiadici in grosser Ausdehnung bloss und reize dieselben abwechselnd mit beliebig starken elektrischen Schlägen oder auf mechanischem oder chemischem Wege.
Der Erfolg ist nun der bekannte des KÖLLiKER’schen Experiments.
Czermak, Schriften.	43