﻿Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag. 675
die Heizung' der Medulla oblongata oder der Vagusstämme selbst nicht mehr zum Stillstand in diastole zu bringen ist, sogleich vollkommener Herzstillstand erfolgt, wenn man entweder eine Ligatur zwischen Vorhof und Sinus anlegt oder das Herz in dieser Gegend mit der Scheere abschneidet.
Bringt man an dem zur Kühe gebrachten Herzen eine zweite Ligatur oder einen zweiten Scheerenschnitt in der Atrioventricularfurche an. so beginnt die abgeschnürte oder abgeschnittene Herzkammer sofort wieder regelmässig und kräftig zu pulsiren.
Mit einem Worte, es gelingt die beiden Haupterseheinungen des bekannten SïAxxius’schen Versuchs am Froschherzen eben so g u t h e r v o r z u rufen, m a g d e r V a g u s d u r c h Curare völlig wirkungslos geworden sein oder aber seine normale Wirksamkeit in unverändertem Grade besitzen. Ohne von Heidexiiaix's Entdeckung etwas zu wissen, habe ich dieselben Thatsachen aufgefunden und im Centralblatt für die mediciuiiihen Wissenschaften 1863 Nr. 56. in der Meinung sie wären neu. mitgetlieilt. An die Mittheilung knüpfte ich jedoch einige Erörterungen. welche das Gelingen des ÉTAXxius’seheu Versuchs am vergifteten Herzen unter einem neuen Gesichtspunkte erscheinen lassen, welcher Heidexiiaix entgangen ist, und deshalb komme ich auf den ganzen Gegenstand nochmals zurück. Während Heidexiiaix nämlich aus seinem Versuche im Gegensatz zu der Ansicht Köllikers schliesst, »dass die Lähmung der Vagi durch das Pfeilgift nicht die peripherischen Nervenenden betrifft« und annimmt, dass entweder beim Vagus die Vergiftung den Stamm betreffe, bei den motorischen Nerven aber die Peripherie, oder dass in beiden Fällen ein der Peripherie nahe gelegenes Stück (also weder das peripherische Ende selbst, noch der Stamm gelähmt wird: so schien mir der Versuch vielmehr zu beweisen, dass die Vagusfasern keine wesentliche Rolle bei der Hervorbringung der Erscheinungen des SrAxxius'schen Versuchs spielen — da der Versuch sonst nicht in gewohnter Weise gelingen könnte, wenn die Vagusfasern durch die Vergiftung ganz unwirksam geworden sind. Unter dieser letzteren, zwar unbewiesenen, alier durchaus möglichen Voraussetzung würde das Gelingen des ötaxxius sehen Versuchs am vergifteten Herzen neue Momente liefern zur Discussion der wichtigen Frage, ob der Vagus auf einen im Herzen liegenden nervösen Hemmungsapparat einfach verstärkend einwirkt, oder ob er die Ganglienthätigkcit direct aufhebt. Denn indem es. wie gesagt, gelingt, durch den Ht axnius’sehen Versuch selbst dann Stillstand des Herzens hervorzurufen, wenn die Vagusfasern vergiftet sind.