Nachweis d. Erscheinung d. sog. Pulsversptung beim Frosch etc. 739

	Zunchst spritzte ich einem Frosche I) in den mittleren, subeu-
tanen Lymphraum des Rckens eine minimale Dosis Curare ein und
wartete die vollstndige Lhmung der willkrlichen Bewegungen ab;
dann band ich das Thier in der Rckenlage an ein dnnes, schmales
Brettchen fest, legte das krftig und ungestrt fortpulsirende Herz
bloss und schlitzte die Bauchwand auf der rechten Seite, einige Milli-
meter von der Medianlinie, der Lnge nach auf. Das Brettehen wurde
auf der schmalen langen Seite stehend so an einem Stativ befestigt,
dass der Frosch in horizontaler Richtung frei schwebend, mit dem
Kopfe nach links, mit der rechten Seite nach oben und mit der Bauch-
seite gegen das Fenster zu liegen kam.
	Hierauf wurde ein Objcetglschen, welches durch einen beweg-
lichen Arm des Statives gehalten war, gegen den Schlitz in der Bauch-
wand angelegt, ans letzterem eine Darmschlinge hervorgezogen, auf
das Glschen ausgebreitet und endlich das Mikroskop, dessen Object-
tisch abgeschraubt worden war, von hinten herzugesehohen und auf
die Gefsse des Gekrses eingestellt.
	Da die Herzthtigkeit und der Blutumlauf durch minimale Dosen
Curare, welche schon hinreichen die willkrlichen Bewegungen voll-
stndig zu lhmen, bekanntlich stundenlang vllig unbeeintrchtigt
fortbestehen, so hatte ich nach diesen Vorbereitungen alle Musse und
Bequemlichkeit nicht nur den Blutlauf in den Arterien, Capillaren und
Venen zu beobachten, sondern auch das Herz und den Bulbus mit
seinen Arterienstmmen, welche durch ein unter denselben durchge-
schobenes Holzstbchen ber die Brustflache herausgehoben worden
waren, von oben her deutlich pulsireu zu sehen.
	Indem ich nun mit dem rechten Auge durch das Mikroskop auf
eine pulsirende Gekrsarterie blickte und gleichzeitig das linke, offen
gehaltene Auge nach dem schlagenden Herzen mit den grossen Arterien-
Stammen richtete, war es ein Leichtes, eine solche Stellung der beiden
Objeete und der Augen zu finden, dass das Herz so zu sagen mitten
im tarteriellen Blutstrome zu schwimmen schien und beide Objeete
zu gleicher Zeit vollkommen deutlich wahrgenommen werden konnten.
	Man begreift, dass durch dieses Verfahren, trotz des mitunter
strend eintretenden Widerstreites der Sehfelder eine sehr scharfe
Auffassung und Beurtheilung der zeitlichen Aufeinanderfolge der
Bewegungsvorgnge am Herzen und an den grossen Gefssstmmen






	Die zu diesen Versuchen bentzten Frsche waren im Herbste vorigen
Jahres eingefangen und seit jener Zeit in den Kellerrumen meines 
Laboratoriums
in flachen, mit Wasser gefllten Gefssen aufbewahrt worden.
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