﻿LV.
Ueber Entfernung fremder Körper aus dem Schlunde unter Beihilfe des Kehlkopfspiegels.
[Jenaische Zeitschrift I860.]
Ais ich im Frühjahr 1858 den ersten Anstoss zur allseitigen Ver-wertlmng des Kehlkopfspiegels gab. unterliess ich es nicht auch darauf hinzuweisen, dass unter seiner Beihilfe »das Auge zum sicheren Führer der Hand« in den dem Blicke neu erschlossenen Regionen des Körpers werden könne.
Im Februar 1859 habe ich diese Idee zuerst wirklich ausgeführt und mein dabei befolgtes Verfahren veröffentlicht. Die Laryngoskopie hatte damit ein neues, weites Feld gewonnen, welches seither zahlreiche und glückliche Bearbeiter gefunden hat, und auf welchem bekanntlich durch Erfindung und Benutzung neuer Instrumente bereits Erfolge in verschiedenen Richtungen erzielt worden sind, welche die kühnsten Erwartungen von der Leistungsfähigkeit des Kehlkopfspiegels in praxi gerechtfertigt haben.l)
Auch bei der Entfernung fremder Körper aus dem Schlunde findet mein Verfahren Anwendung und ermöglicht es jetzt dem geübten Arzte in vielen Fällen rascher, sicherer und in weit scb oneuilerer Weise, als früher, zum Ziele zu gelangen.
Ein im Halse stecken gebliebener fremder Körper kann mitunter Zufälle veranlassen, welche das Leben ernstlich bedrohen. Unter solchen allarmirenden Umständen wird nun freilich wohl selten Zeit und Gelegenheit zu einer laryngoskopischen Untersuchung und Operation gegeben sein, und man wird sich dann nothgedrungen mit den
1 Vgl. «Der Kehlkopfspiegel . . . etc.« 2. Aufl. , Leipzig, IStCj, Kr. XLII; die einschlägige Journalliteratur und besonders die kürzlich erschienene Laryngo-chirurgie von v. Bruxs.