744 	Ueber Entfernung fremder Krper aus dem Schlunde etc.

im Spiegel erschien und das Auge als Fhrer der Hand diente), und
entfernte ihn mit einem Zuge.
	Die kleine Operation war - ohne die geringste Beschwerde fr
den Patienten - in wenigen Secunden glcklich beendet.
	Wie lange htte man, o h ne die Benutzung meiner Methode, im
Schlunde dieses Patientenwohl herumgearbeitet. um schliesslich viel-
leicht nicht einmal den gleichen Erfolg zu erzielen?
	Was den borstenfrmigen, etwa 1 7 mm laugen Krper selbst 1)e-
trifft, so war es, wie die mikroskopische Untersuchung zeigte, das
Stck einer Granne von einer Kornhre.

Zweiter Fall.
	Der folgende Fall ist ganz analog dem vorhergehenden und steht
auch insofern mit demselben in Beziehung, als meine frhere Mitthei-
lung desselben im Verein praktischer Aerzte Hrn. Dr. FREIBERGER
veranlasste mit dem 82jhrigen Patienten L. G., Commissionr fr
reisende Kuustreitergesellschaften, zu mir zu kommen.
	Patient hatte am 10. Mrz 1864 ein Gericht Fische verzehrt, und
dabei war ihm eine Grte tief im Halse stecken geblieben, welche ihm
unertrgliche Unbequemlichkeiten und bedeutende Schmerzen verur-
sachte. Die sogleich vorgenommenen und auch am nchstfolgenden
Tage fortgesetzten rztlichen Bemhungen, den fremden Krper zu
entfernen, blieben erfolglos. Da auch der Schlundstosser wiederholt
angewendet worden war, so vermuthete man, trotz der gegenthieiligen
Empfindung des Patienten, dass der fremde Krper wohl schon fort
sei, aber eine Verletzung und Reizung des Schlundes hinterlassen
haben mge, welche ohne Weiteres heilen und verschwinden werde.
	Am dritten Tage nach dem Unfall kam, wie gesagt, Herr Dr. F.
mit dem Patienten zu mir, um hierber vermittelst des Kehlkopfspie-
gels Gewissheit zu erhalten.
	Die laryngoskopische Untersuchung wies alsbald nach, dass die
Fischgrte, in Uebereinstimmung mit der Empfindung und Aussage
des Patienten, allerdings noch immer vorhanden war. Dieselbe steckte
mit dem einen Ende knapp ber dem Kehlkopfeingang fest, whrend
das andere Ende in horizontaler Richtung von links nach rechts etwa
6 mm hervorstand.
	Durch die geringste Zusammenziehung der Schlingmuskeln richtete
sich die Grte mit ihrer scharfen feinen Spitze aus der Ebene der
Sehleimhautoberfiehe empor und zielte in bedenklichster Weise gegen
den Kehlkopfeingang und die Innenflche der Epiglottis. Die Ursache
der fortdauernden Schlingbeschwerden und Schmerzen des Patienten
