746 	Ueber Entfernung fremder Krper aus dem Schlunde etc.


Richtung in den Raum hinter dem Kehlkopf frei hineinragte. Ohne
mich weiter mit der Untersuchung des fremden Krpers und seiner
Befestigungsart aufzuhalten, aber auch ohne den fremden Krper aus
dem Auge zu verlieren, fhrte ich die Schlundzange mit der rechten
Hand - die linke hielt den Kehlkopfspiegel - in den Mund des Pa-
tienten ein.
	Indem ich die im geschlossenen Zustand eingefhrte Zange immer
tiefer hineinschob, erschien das Bild der Zange im Spiegel und ich
konnte nun die Branchen derselben, ohne irgendwo anzustossen, auf
den im Spiegelbilde ebenfalls fortwhrend sichtbaren fremden Krper
zuleiten, denselben mit Sicherheit erfassen und mit einem Zuge ent-
fernen. Dies war das Werk einiger weniger Secunden und Patient
hatte dabei selbstverstndlich nicht im Geringsten gelitten, ja nicht
einmal einen Husten- oder Wrganfall bekommen
	Der entfernte fremde Krper erwies sich als eine berraschend
grosse, fast berall nur 1" dicke, dreieckige Knochenplatte (wahr-
scheinlich ein Stck vom Schulterblatt des Kalbes); die krzeste der
drei scharfen hie und da mit spitzen Zacken besetzten Kanten maass
etwa einen W. Zoll, die lngste an l'2", so dass also die Flchen-
ausdehnung des Knochenstuckes mehr als einen halben Quadratzoll
betrug! Die scheinbare Stbchenform des fremden Krpers bei der
laryngoskopischen Untersuchung war dadurch entstanden, dass sich
von der im Oesophaguseingang festgekeilten Knochenplatte 
nur die
eine, frei nach oben stehende Kante dem Blicke darbot. Die Anwen-
dung des Schlundstossers htte bei der Schrfe der zackigen Rnder
des Knochenstckes leicht Unheil anrichten knnen und im besten
Falle dem Patienten bei weitem grssere und lnger dauernde 
Unbe-
quemlichkeiten 
verursacht, als das angewendete Verfahren!
Vierter Fall.
	Am 30. December 1864 brachte ein Landmann aus Smutovic in
Bhmen sein Weib zu mir, welches angeblich mit einem Bissen Semmel
eine in dieser eingebackene Nadel verschluckt und bereits seit drei
Tagen im Schlunde stecken hatte, was ihr unertrgliche Schmerzen
verursachte und sie hinderte feste Nahrungsmittel zu sich zu nehmen,
indem sie sich nicht traute, einen ernstlichen Essversuch zu wagen,
aus Furcht die Nadel dabei noch tiefer hinab zu schlucken.
	Bei der laryngoskopischen Untersuchung der trotz ihrer Aufgeregt-
heit sehr verstndigen und fgsamen Patientin fand ich den Zungen-
grund und die Epiglottis, welche sieh dem ersteren innig anschmiegte,
stark geschwollen und gerthet - von einer Nadel war jedoch nichts
