762 lIeber den Spiritus asper und lenis, und ber die Flsterstimme etc.

Griechen beim Flstern den Spiritus asper vorn Spiritus len/s gar nicht
zu unterscheiden vermocht.
Was PURKYN1 den leisen Hauch genannt und fr den Spiritus
len/s gehalten hat, hat nicht die entfernteste Beziehung zum Spiritus
lenis, denn PURKYN'S leiser Hauch (S. oben I, sub 4 und II, ad c)
ist nur gradweise, nicht aber gegenstzlich verschieden vom
Spiritus asper.
	Eben so unstatthaft ist es auch, wenn MAX MLLER (Second Se-
ries, S. 127 den Spin/us asper dem Spiritus len/s in dem Sinne ent-
gegensetzt, als ob ersterer mit unverengter, letzterer mit verengter
Stimmritze gebildet wrde, und als ob zwischen beiden wesentlich
derselbe Unterschied bestnde a. a. 0. S. 130), welcher bei anderen
Lauten mit hart und weich, tonlos und tnend bezeichnet wird; der
Spiritus asper den harten oder tonlosen, der Spinitus len/s den weichen
oder tnenden Lauten entsprche. Dies ist falsch. Die laryngosko-
pische Untersuchung zeigte:
	1. Der Spiritus asper wird nicht mit weitgeffneter, sondern
mit willkrlich verengter Stimmritze und bei einem zur gebildeten
))Enge in bestimmtem Verhltniss stehenden Exspirationsdruck her-
vorgebracht.
	2. Der Spin/us len/s hingegen entsteht durch explosive Erffnung
der geschlossenen Stimmritze.
	Der Unterschied zwischen beiden hat also keine Analogie mit
dem Unterschied, welcher zwischen Ten nes und Jlecliae, zwischen ton-
losen und tnenden Verschlusslauten existirt; am allerwenigsten ist
der Spiritus aspen mit den Tenues zusammen zu stellen, wie MLLER
thut da die Bildungsweise jenes mit der Bildungsweise dieser auch
nicht in einer einzigen Beziehung etwas Gemeinsames und Ueber-
einstimmendes hat, whrend der Spiritus lenis, den MLLER mit den
Med/ne parallelisirt (wie schon die Griechen durch das Beiwort
andeuteten und ich oben direct nachgewiesen habe) gerade mit den
Ten ues physiologisch wenigstens in einer Hinsicht bereinstimmt.
Hierdurch wird aber, vie gesagt, noch nicht die entfernteste
Analogie des Unterschiedes, welcher zwischen Spin/las aspen und len/s
besteht, mit jenem, der die Bildung der Ten ues und Med/ne charak-
terisirt, begrndet.
	MAX MLLER irrt hierin vollstndig, denn (lie tonlosen oder har-
ten Laute unterscheiden sich im Wesentlichen von den tnenden oder
weichen bekanntlich nur dadurch, dass die ersteren mit ganz unver-
engter, die letzteren hingegen mit zur Ton- oder Geruschbildung ver-
engter Stimmritze gesprochen werden, d. h. jene sind stumm, diese
