756 Ueber den Spiritus asper und lenis, und fiber die Flsterstimme etc.

kopf willkrlich erzeugten Enge durch entsprechende Regulirung des
Exspirationsdruckes  hervorbringen.
	BRCKE hat mich aufmerksam gemacht, hier, wo ich von der
Modification der h-Laute durch den Exspirationsdruck spreche, aus-
driicklich hervorzuheben, dass nicht alles was physiologisch mglich
ist, auch linguistisch in Betracht komme, indem der Exspirationsdruck
fr den Accent frei vernderlich bleiben muss, und desshalb die ver-
schiedenen Arten des lt wesentlich nach dem Zustande der Stimmritze
und des oberen Kehlkopfranmes zu unterscheiden sind.
	Es ist in der That gut, wenn man die Leser bei jeder solchen
Gelegenheit daran erinnert zu unterscheiden, was so zu sagen als
Kunststuck ausgefhrt werden kann und was in der Sprache wirklich
Bedeutung hat.


II.
	Ich gehe nun, auf Grundlage directer laryngoskopischer Beobach-
tungen zu einer Errterung der Verschiedenheiten des v o cal is eh en
An laute s ber, welche uns zur vollstndigen Einsieht in das Wesen
des Spiritus len/s im Gegensatze zum Spiritus asper fhren wird.
	Betrachten wir zunchst die Vorgnge bei der Tonbildung in der
Stimmritze berhaupt. Bei lauttnender Stimme wirken die Stimm-
blinder bekanntlich als memhranse Zungen und bringen wie alle
Zungen eine Reihe: discontinuirlieher, rhythmischer Luftstsse hervor,
welche, indem sie auf unser Ohr wirken, in uns eben die Empfindung
des Tones erzeugen.
	Damit die Stimmbnder durch den verstrkten exspirativen Luft-
strom in tnende Schwingungen gerathen knnen, mssen die Aryt-
noidknorpel gegen einander gezogen und in Berhrung gebracht
die Knorpelglottis s. oben I, sub 5 vollstndig geschlossen oder



	So lange die Knorpelgiottis in ihrem hintersten Abschnitt unverschlossen
ist und so lange nicht wenigstens die Spitzen der gegen einander gezogenen
Arytiinoidknorpel in Berhrung kommen, spricht der Ton in der That schwer
an. Nichtsdestoweniger gelingt es, wie die laryngoskopische Untersuchung
zeigt, auch unter di es en Unistanden die Stimmbnder in tnende Schwingungen
zit versetzen. Dabei tritt das merkwrdige akustische Phnomen ein, dass man 
so
zu sagen ein tnendes ii hrt. Zwar liegt die Tonlosigkeit im eigentlichsten
Wesen der h-Laute, indem dieselben, wie gesagt s. oben I, 5, dadurch zu 
Stande
kommen, dass die Luft, indem sie an den Rndern der verengten Stimmritze vor-
berstrmt, ein Reibungsgerusch, nicht aber rhythmische, tnende 
Palsationen
hervorbringt; wo letztere entstehen, hren die physikalischen Bedingungen 
zur
Entstehung des ersteren auf. Auch sagt schon Jon. MLLER Lehrb. 18-10, Bd. 
II.
S. 236): Die einzige Continua, welche ganz stumm und keines Mittnefis oder
