﻿Ueber den Spiritus asper und lenis, und über die Fliisterstimme etc. 757
bedeutend verengt werden. so dass sicli die Stimmbänder mit ihren Rändern entweder bis zur Beruh rung an einander legen oder doch b i s z u r B i 1 d u n g e i n e r e n g e n. 1 i n e a r e n S p a 11 e n ä h e r n. Im ersten Falle werden die Stimmbänder bei den schwächsten wie bei den stärksten Schwingungen in den Augenblicken, wo sie sich einander nähern, sich geradlinig ganz eng an einander stellen, so dass sie die Stimmritze momentan vollständig sehliesseu und den Luftstrom ganz unterbrechen.
Im zweiten Falle, wo sich die Stimmbänder nur bis zur Bildung einer linearen Spalte genähert haben. wird der Luftstrom nicht vollständig unterbrochen. weil auch die schwingenden Stimmbänder sich niemals so sehr nähern. dass sie die Stimmritze momentan ganz ver-schliessen könnten, f
Es giebt also z w e i Arten der Toubildung : bei der ersten Art berühren sich die Stimmbänder und können dabei entweder nach Art der aufschlagenden oder der durchschlagenden Zungen wirken. je nachdem sie nämlich beim Schlüsse auf und gegen einander schlagen oder aber nur eben bis zur Berührung eng sich zusammenstellen ohne gegen einander zu schlagen: bei der zweiten Art berühren sich die Stimmbänder gar nicht, sondern sie sind einander nur bedeutend genähert und wirken daher auch nie anders denn als durchschlagende Zungen. Selbstverständlich lässt sich ein nach der ersten Art gebildeter
Kimimens der Stimme fällig ist. ist das h, die Aspiration. Versucht man das h laut auszusprechen, so tönt das Summen der Stimme nicht gleichzeitig mit h, sondern folgt ihm und die Aspiration erlischt auf der Stelle sobald die Luft an den Stimmbändern zum Ton anspricht.« Allein wenn die Knorpelglottis nach hinten mehr oder weniger klafft, während die freien Ränder der Stimmbänder durch die einspringenden Spitzen der I'roc. voc. einander hinreichend genähert sind, dann kann, wie der Versuch und die huyngoskopische Beobachtung lehren, in der Stimmritze gleichzeitig ein Ton und ein h entstehen. Der Tlieil der hervorgetriebenen Exspirationsluft nämlich, welcher durch die Bänderglottis geht, wird in rhythmische Pulsationen versetzt und erzeugt einen Ton, der Theil hingegen, welcher durch die starre Knorpel glottis hervorströmt, veranlasst ein blosses Reibungsgeräusch — einen Spiritus von grösserer oder geringerer Asperität. Man kann also eben sowohl sagen , dass auf diese Weise ein Stimmritzenton entsteht. welcher durch ein h verunreinigt ist, als dass ein h unter Mittönen der Stimme zu Stande kommt. Allerdings ist es nicht ganz leicht die Bedingungen so herzustellen, dass das Ohr Ton und Reibungsgeräusch gleich deutlich wahrnimmt, denn beim Klaffen der Knorpelglottis spricht der Ton schwer und leise an, während der Ton leicht das Reibungsgeräusch verdeckt, wenn die Bedingungen der Tonbildung günstiger sind ; — immerhin lässt sieh das Phänomen bei einiger Uebung mit überzeugender Deutlichkeit hervorbringen.
1 Helmholtz a. a. 0. S. 164.